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Aly & Rave eine RPG-Love-Story Part III

Der Regen peitschte ihr unbarmherzig ins Gesicht während sie durch die Strassen lief. Sie hatte kein bestimmtes Ziel. Die Wohnung die sie einst mit Alex hatte war bestimmt längst weitervermietet worden und ob sie noch jemanden von ihren früheren Kontakten finden würde war fraglich. Kurz hatte sie sich überlegt in den Club zu gehen... zu Ezra... doch Diesen Gedanken hatte sie verworfen, bevor er richtig aufgekommen war. Sie wusste wie Ezra war. Nein sie musste zusehen, dass sie hier irgendwo jemanden finden würde, jemand bei dem sie unterkriechen konnte, auch auf die Gefahr hin, dass die Polizei sie aufgreifen würde. Immerhin suchten sie ja nach ihr.

Als sie so in Gedanken versunken in eine kleine Seitengasse abbog, fand sie sich plötzlich vor zwei Jung s wieder, die ihr den Weg versperrten. Sie wollte schon umdrehen als einer sie hart am Handgelenk packte.
"Na Süße, du willst doch nicht gleich wieder gehen?" grinste dieser sie hämisch an und zog sie zu sich. "Lass mich los," schrie sie ihn an und versuchte sich aus seinem Griff zu befreien. Doch da hatte sie bereits der Andere von hinten gepackt und schubste sie unsanft auf den Boden. "Na, na, eine kleine Wildkatze," das Grinsen in seinem Gesicht wurde breiter als er ihre Tasche griff die ihr aus der Hand gefallen war und begann diese zu durchsuchen. "Was haben wir den da?" er hielt ihren Mp3-Player kurz in der Hand bevor dieser in seiner Hosentasche verschwand. Und nachdem er den ganzen Inhalt der Tasche auf der Strasse ausgebreitet hatte und nichts mehr zu finden schien das ihn interessierte packte er sie wieder und zog sie unsanft hoch. "Ok, Schlampe, das ist doch sicher nicht alles was du hast, rück schon mit der Knete raus."

Er hatte sie gegen die Wand gedrückt und zückte nun ein Messer während sein Kumpel, begann sie zu durchsuchen. Als er fündig wurde hielt er das Geld und den restlichen Stoff triumphierend in die Höhe, "Na bitte," er steckte sich beides ein und schubste dann den Kerl an der Aly immer noch an die Wand gedrückt hielt, "komm las uns von hier abhauen..." Doch dieser machte erst einmal keinerlei Anstalten der Aufforderung seines Kumpels zu folgen. Im Gegenteil, er drückte Aly noch etwas fester an die Wand und sein hässliches Grinsen breitete sich nun wieder über sein Gesicht aus, "Jimmy," meinte er zu dem Typen der abhauen wollte, "Hast du den keine Lust dich noch etwas zu amüsieren?" Dabei begann er Aly das T-Shirt brutal von der Schulter zu reisen und presste dann seinen ekligen Lippen auf die Ihren. Mit aller Kraft versuchte sie ihn von sich zu stemmen, doch das schien den Typen nur noch mehr anzuspornen. Sie wollte schreien, doch die Angst lies sie förmlich die Kehle zuschnüren. Bitte...Bitte nicht... betete sie stumm, doch es schien keiner hier zu sein der sie erhörte. Der Andere Typ der eigentlich abhauen wollte, stand nun auch einfach nur da uns grinste sie belämmert an. Doch in seinen Augen war zu lesen, dass ihm gefiel was er da sah. Ihr T-Shirt zerrissen, den Blick frei auf ihre nackten Brüste. Oh nein, er würde seinen Kumpel nicht davon abhalten, niemand würde das...

Der Typ der seine ekligen Lippen auf ihre gepresst hatte, begann nun ihre Brüste anzugrabschen und versuchte dabei ihr die Hose zu öffnen. Mit aller Kraft wehrte Aly sich zu dagegen, versuchte sich loszureißen und schaffte es schließlich ihm ihr Knie in seine Eier zu rammen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht lies er sie los und griff sich an den Schritt, doch bevor Aly die Möglichkeit bekam zu fliehen packte er sie bereits wieder und schrie sie mit hasserfülltem Gesicht an, "Schlampe...du verdammte kleine Schlampe..." Und mit voller Wucht schlug er ihr dabei ins Gesicht. Der Schmerz durchfloss ihren Kopf wie ein Wasserfall und sie hatte das Gefühl die Besinnung zu verlieren, als sie plötzlich wieder die Stimme des Anderen hören konnte, "komm schon, verdammt lass uns abhauen bevor die Bullen kommen..." Es schien als ob der Kerl der sie immer noch hielt nun doch endlich auf seinen Kumpel hörte. Sie fühlte wie sich der Griff um ihren Hals langsam lockerte bis er sie ganz losließ.
Stöhnend fiel sie auf die Knie, als ein erneuter Schmerz ihren Körper durchdrang. "Schlampe..." konnte sie seine Stimme nochmals hören nachdem er ihr mit seinem Fuß noch einen Tritt in die Magengegend gegeben hatte. Und dann konnte sie hören wie sich die Schritte der Zwei schnell laufend entfernten.

Benommen blieb sie am Boden liegen, vom Regen durchnässt und blutverschmiert, doch sie lebte noch. Sie wusste nicht wie lange sie so da gelegen hatte, halb wach, halb bewusstlos, bis sie langsam wieder einen klaren Gedanken fassen konnte. Vorsichtig versuchte sie sich hochzuziehen, schaffte es aber nur in eine sitzende Position. Das zerrissene T-Shirt verdeckte ihre Blöße nur noch halb und das Blut das ihr aus der Nase gelaufen war, verkrustete langsam und die Schmerzen ließen etwas nach. Sie musste hier weg, sie konnte nicht hier sitzen bleiben. Doch wohin sollte sie? Zur Polizei konnte sie nicht und ein Krankenhaus konnte sie auch gleich aus der Liste streichen.

Sie nahm ihr zerrissenes T-Shirt und versuchte sich erst einmal das Blut vom Gesicht und vom Hals zu reinigen um es dann nochmals mit aufstehen zu versuchen. Was ihr schließlich, sich an der Wand abstützend auch gelang.
Kurz lehnte sie sich an der Wand an, schloss die Augen und versuchte ruhig durchzuatmen, versuchte die Übelkeit zu verdrängen die hochgestiegen war.

Als sie ihre Augen wieder öffnete sah sie sich um. Von den zwei Typen war nichts mehr zu sehen. Halbwegs erleichtert atmete sie auf. Schließlich stieß sie sich von der Wand ab und begann ihre Kleider die überall auf dem Boden verstreut herum lagen ein zusammeln, und stopfte sie zurück in die Tasche. Dann zog sie sich ihre Jeansjacke über. Dies alles machte sie mechanisch und als wäre es das Normalste auf der Welt. Doch nichts war normal. Sie fühlte sich schmutzig, erniedrigt und sie hatte Angst. Noch nie hatte sie solche Angst gehabt. Doch sie durfte nicht länger darüber nachdenken. Sie musste irgendwo unterkommen, musste hier weg.

Sie nahm ihre Tasche und ging durch die Gasse bis sie sich schließlich wieder auf der 5th.Ave. befand. Weit über den Dächern der Hochhäuser ging langsam die Sonne auf und es wurde heller. Geschäftsleute liefen geschäftig durch die Strassen, hielten hie und da an um sich an der Ecke einen Kaffee zu genehmigen und sich die neuste Ausgabe des Wall Street Journal zu kaufen. Sie schien gottlob nicht weiter aufzufallen. Nur hie und da drehten sich ein paar Leute mit verstohlenen Blicken zu ihr um, wie sie da so unschlüssig mit ihrer Tasche in der Hand stand. Doch die meisten Menschen waren viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als das sie sich um Andere kümmern konnten.

Nachdem sie hin und her überlegt hatte was sie nun machen sollte, fiel ihr plötzlich das alte Lagerhaus an der 12th.Ave. ein. Ein altes Lagerhaus, direkt am Hudson River. Rave hatte sich dort öfters mit Kunden getroffen. Und wenn sie Glück hatte stand dieses Gebäude immer noch leer. Sie konnte sich erinnern das sich im hinteren Teil des Hauses ein kleines Zimmer befand. Es war nicht viel, doch immerhin war es trocken und sie konnte davon ausgehen, dass sich dort niemand aufhielt, ansonsten hätte es Rave nicht so oft als Treffpunkt genutzt.
Entschlossen nahm sie ihre Tasche und lief die Stufen zur Metro runter die sie direkt zur 12th.Ave. bringen würde.

Um die Mittagszeit herum war in dem kleinen Bistro immer eine Menge los. Nur vereinzelt gab es noch freie Tische. Da Rave, um weniger aufzufallen, hier keinen Stammplatz hatte, setzte er sich einfach an den nächst besten, freien Tisch. Zwar war Rave insgesamt schon keine unauffällige Erscheinung, aber das musste man ja nicht noch unnötig betonen. Auf dem Weg zu dem freien Platz, blieb er kurz an der Theke stehen und bestellte sich schon mal eine Cola. Zwar war er auch schon wieder hungrig, aber mit dem Essen würde er wohl noch warten müssen, bis Gordie auch da war. Das Glas hatte er schnell vor sich stehen, die Bedienung hier war immer recht fix. Er dachte über das bevorstehende Gespräch nach, über die neuen Kunden und über die Finanzierung in weitere Projekte. Aber irgendwie konnte er sich nicht so richtig konzentrieren.

Immer wieder schweiften seine Gedanken ab, in Richtung Aly. Er war noch immer äußerst ungehalten über ihren Selbstmordversuch, oder was auch immer das gewesen sein sollte, was sie da auf dem Balkon veranstaltet hatte. Und was ihn beinahe noch mehr störte war die Tatsache, dass sie es am nächsten Morgen nicht einmal für nötig befunden hatte, auch nur ein klitzekleines Wörtchen darüber zu verlieren. Stattdessen hatte sie nach Drogen gefragt. Mit finsterer Miene sah durch die großen, nicht ganz sauberen Fenster hinaus auf die Straße. Die Leute strömten in hektischer Betriebsamkeit ihrer Wege, zum Job, zum Einkaufen, in die Mittagspause, oder einfach nur nach Hause. Rave machte sich im Allgemeinen wenig Gedanken über das Leben und Sterben anderer Menschen. Die Leute da draußen waren für ihn nur eine unbestimmte Masse, der seine gesteigerte Aufmerksamkeit zu schenken reine Zeitverschwendung war. Die Geräusche der vorbeifahrenden Autos und Busse drangen ebenso gedämpft an sein Ohr, wie die Stimmen der Menschen an den Nachbartischen. Alles zusammen verschmolz, wie die Menschen auf den Gehsteigen, zu einem formlosen Hintergrund, welchen das Gehirn nach einer Weile beinahe völlig ausblenden konnte.

Nachdem Aly sich erst einmal hatte orientieren müssen wo sie lang musste - sie war ja noch nie zu Fuß hier gewesen- fand sie das Lagerhaus schließlich. Es stand in einer verlassenen Gegend des Hafenviertels und hätte sie eine andere Wahl würde sie sich nicht alleine hier her wagen. Doch da ihre Möglichkeiten im Moment mehr als beschränkt waren war sie erst einmal froh wenn sie zumindest für ein paar Tage hier unterkommen konnte.

Sie ging zu dem Hintereingang den Rave immer benutzt hatte und drückte die Klinke runter. Die Tür lies sich ohne weiteres öffnen. Sie wäre auch erstaunt gewesen wenn nicht. Wer schließt schon einen so alten Schuppen ab. Sie betrat das Haus und sah sich vorsichtig um, nur um sicher zu sein, das sich nicht noch andere Personen im Innern befanden. Die Halle war mit unzähligem altem Kram gefüllt. Irgendwelchen Maschinen die vor sich hin rosteten, dicke Schiffsseile und sogar einen alten Anker konnte sie sehen. Doch sie kümmerte sich nicht weiter um die Dinge, sondern steuerte das Zimmer im hinteren Teil des Hauses an. Als sie die Tür zu dieser öffnete stellte sie erstaunt fest das alles noch genau so aussah wie damals als sie mit Rave hier war. In der Ecke lag eine Matratze am Boden, daneben stand ein kleiner Tisch mit 2 Stühlen, ein Spüle und an der Decke baumelte einsam eine Glühbirne. Wahrlich kein Luxusappartement aber, besser als auf der Straße allemal.

Sie schmiss ihre Tasche neben der Matratze auf den Boden und fing dann die durchnässten Kleider aus zupacken und über die Stühle zum trocknen zu legen. Dann legte sie sich auf die Matratze und starrte die Decke an. Ihr Gesicht schmerzte und sie fror in der nassen Kleidung. Aber immerhin war sie nun im trocknen. Die Wunden die ihr der Kerl zugefügt hatte würden heilen, ob die Wunden, welche man nicht Äußerlich sehen konnte allerdings auch so schnell wieder heilen würden war eine andere Frage. Schließlich schloss sie erschöpft ihre Augen und war binnen weniger Minuten eingeschlafen.

Sie hatte keine Ahnung wie spät es war als sie wieder aufwachte. Doch sie fühlte sich in keinster Weise besser. Im Gegenteil. Ihr Hals schmerzte und sie schlotterte obwohl sie Schweiß auf ihrer Stirn fühlen konnte. Langsam versuchte sie aufzustehen, was ihr aber erst beim dritten Anlauf gelang, da ihre Knie so vom Schüttelfrost übermannt wurden das sie kaum stehen konnte. Sie ging, oder besser schwankte zum Waschbecken um sich ihr Gesicht mit etwas Wasser zu befeuchten und ein paar Schlucke zu trinken. Das Wasser schmeckte nach Chlor, aber dies war ihr im Moment egal. Als sie aufsah, konnte sie ihr Gesicht in dem Spiegel darüber sehen. Und was sie sah erschreckte sie. Sie sah wie eine Leiche aus. Blass mit rot unterlaufenen Augen. Ihre Haare schienen jeglichen Glanz eingebüßt zu haben und sie hätte ohne weiteres jedem Vampir Konkurrenz machen können. Obwohl Vampire ja eigentlich schön waren, was man von ihr im Moment nicht behaupten konnte. Das T-Shirt hing ihr mehr oder weniger lose um den Oberkörper und war blutverschmiert, genau so wie ihre Jeans. Sie wandte den Blick schnell wieder von dem erschreckenden Spiegelbild und ging dann zurück in die Lagerhalle. Sie brauchte irgendetwas womit sie sich zudecken konnte. Irgendetwas was sie, zumindest im Ansatz, etwas wärmte. Und nach einigem rumgestöbere in dem alten Ramsch hatte sie tatsächlich Glück. sie fand unter einer Plane, eine alte Seemannsdecke. Sie nahm Diese und ging wieder in das Zimmer zurück, in dem sie sich nun den nassen Kleider entledigte. Dann nahm sie die Decke und legte sich, eingewickelt in Dieser wieder auf die Matratze. Es ging nicht lange und sie fiel erneut in einen fiebrigen, unruhigen Schlaf.


Erst durch seinen Namen, den er auf einmal aus den anderen Geräuschen heraus hörte, wurde er aus seinen Betrachtungen gerissen. Sein Kopf fuhr herum und er sah in die graublauen Augen von Gordie, der ihn mehr oder weniger gut gelaunt ansah. Gordie machte sich nicht einmal die Mühe, sich für sein Verspäten zu entschuldigen, warum auch? Jeder wusste das und außerdem konnte er sich das erlauben. Mit einem Nicken bedeutete Rave ihm, dass er sich setzen sollte. Bevor sie jedoch anfingen über das Geschäft zu reden, studierten sie die Speisekarte und gaben ihre Bestellungen auf. Mit vollem Magen war es doch um einiges angenehmer, um über Geld zu reden.

Die Besprechung selber war kurz und knapp, Rave erklärte was er von Gordie verlangte, dieser nannte seinen Preis und Rave sicherte ihm die Zahlung zu. Hin und wieder kam es schon mal zu einer kurzen Diskussion, wenn Gordie gar zu gierig wurde, aber trotzdem waren sie nach einer guten halben Stunde mit allem fertig, außer mit dem Essen. Dann gab es Nachtisch, Rave bestellte sich ein Stück gedeckten Apfelkuchen mit Sahne, und Gordie einen Schnaps, auf den meistens noch ein zweiter und ein dritter folgten. Aus diesem Grund verabschiedete Rave sich auch möglichst schnell, mit der Bitte um Rücksprache, sobald es etwas zu berichten gab. Außerdem schätzte er Gordie zwar als Geschäftspartner, aber nicht als Mensch.

Dann verließ er das Bistro. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass er immer noch reichlich Zeit bis zu seiner Verabredung mit Lex hatte. Zeit, die er jetzt irgendwie rum kriegen musste. Zurück ins Hotel wollte er nicht, vielleicht war ja Aly da schon wieder aufgekreuzt und die brauchte er jetzt nicht so dringend. Er entschied, dass er noch bei einem seiner neuen vielleicht-Kunden vorbeischauen wollte. Ein Überraschungsbesuch konnte viel über einen Menschen, dessen Motive und Vorstellungen verraten. Wichtige Informationen, die ihm bei seinen Entscheidungen helfen konnten, die ihm zusätzliche Sicherheiten verschafften. Jede Kleinigkeit, und mochte sie noch so unbedeutend erscheinen, konnte ihm irgendwann einmal seinen schönen Hals retten. Nach der Stippvisite wäre es dann auch schon spät genug, um sich zu der alten Lagerhalle, dem mit Lex vereinbarten Treffpunkt, zu begeben.

Der Besuch war in der Tat sehr aufschlussreich und effektiv gewesen. Rave hatte einen neuen Kunden hinzugewonnen und die richtigen Dinge erfahren, um ihm den Neuen gefügig machen zu können. Zufrieden mit dem erzielten Ergebnis setzte er sich in seinen Wagen und machte sich auf den Weg zum Hudson River.
Weil er immer noch genügend Zeit hatte, nahm er einen Umweg in Kauf, der ihn dafür allerdings über die Schnellstraße führte, auf der er sich dann hinreißen lies, diese mit dröhnenden Boxen zu befahren. Nicht, dass er die volle Leistung seines Wagens hätte voll ausfahren können. So gesehen war sein Wagen weniger nützlich, als einfach ein Statussymbol. Allerdings hatte Rave sich das Auto nicht gekauft um andere damit zu beeindrucken, das hatte er nicht nötig, sondern einfach weil er Spaß daran hatte.

Raves Laune war zwar nach wie vor nicht als gut zu bezeichnen, aber auf jeden Fall wesentlich entspannter als vorher. Er parkte seinen Wagen hinter einem Container, so dass er von der Straße aus nicht zu sehen war.
Nicht, dass hier besonders viele Leute vorbeigekommen wären, die Gegend hier war nicht unbedingt als beliebt zu bezeichnen. Er schloss den Wagen ab, und steckte sich dann erstmal eine Zigarette an, irgendwie war ihm danach. Diese rauchte er gemütlich auf und schlenderte dann auf die Lagerhalle zu. Da er davon ausging, dass Lex noch nicht da war, war er überrascht, als er entdeckte, dass anscheinend heute schon jemand die Halle betreten hatte. Hin und wieder wurde sie zwar auch mal von Jugendlichen als Treffpunkt genutzt, stand sonst aber absolut leer. Die Staubschicht auf dem Boden zeigte ihm aber an, dass hier schon lange niemand mehr durchgelaufen war. Abgesehen eben von einer Spur, die zielstrebig auf das kleine Hinterzimmer zuführte.
Die Schuhabdrücke waren seiner Meinung nach zu klein, um von einem erwachsenen Mann zu stammen.
Vielleicht also ein Jugendlicher … oder eine Frau.

Es war erstaunlich, dass ihm als erstes Alys Name durch den Kopf ging. Erstaunlich … vielleicht auch nicht, wenn man bedachte was in den letzten Stunden alles passiert war. Aber es war schon irgendwie ärgerlich, dass er das nicht einfach so, wie sonst auch immer, ausblenden konnte. Mit gespannter Körperhaltung, der Hand an der Tasche, in der er für Notfälle eine Handfeuerwaffe verstaut hatte, und möglichst leise ging er also zu dem kleinen Hinterzimmer. Erst lauschte er, aber als er recht flache Atemgeräusche hörte, beruhigte er sich schon wieder. Vermutlich hatte sich ein Junkie, oder ein Penner hierher verirrt. Rave machte vorsichtig die Tür auf, um sich seine Vermutung zu bestätigen, als ein Laut der Überraschung über seine Lippen kam. „A-l-y?“

Als Aly wie aus weiter Ferne eine Stimme hörte öffnete sie langsam ihre Augen und richtet ihr Blick in die Richtung aus der die Stimme zu kommen schien. Obwohl sie sich heiß anfühlte, fror sie immer noch und ihr ganzer Körper schien unkontrolliert unter dem Schüttelfrost zu klappern. Sie versuchte zu erkennen wer da ihren Namen genannt hatte, doch mit ihren fiebrigen Augen konnte sie nur eine schemenhafte Gestalt ausmachen.
Jonny? War er gekommen um sie zum Abschlussball abzuholen? Nein, er musste doch wissen dass sie krank war und nicht mitgehen konnte. "Mum?" Es musste ihre Mutter sein. Sicher brachte sie ihr eine warme Suppe und einen Tee, so wie sie es immer tat, wenn Aly krank war. Aber weshalb kam sie dann nicht näher? Und ein Tablett konnte sie auch nicht erkennen. Nun vielleicht war es auch ihr Dad, der ihr ein Buch brachte. Er wusste das Aly am liebsten las wenn sie krank war.

Sie versuchte sich etwas aufzurichten, doch es war als ob ihr Körper ihr nicht gehorchen wollte. Kraftlos lies sie sich wieder zurück sinken und zog die Decke etwas hoch. Wenn es doch bloß nicht so kalt wäre. Dann sah sie wieder zu der Gestalt. Es musste ihr Dad sein. "Dad?" sie versuchte zu erkennen ob er ein Buch in der Hand hielt, doch mehr als seine Umrisse konnte sie nicht ausmachen. Es war als ob sich ein grauer Schleier auf ihre Augen gelegt hätte. Zudem brannten sie so stark dass sie immer wieder blinzeln musste. "Dad ..., ich glaube ich kann nicht lesen.... es ist alles so..." Es war alles so surreal. Sie schloss die Augen wieder und noch bevor sie ihrem Dad für das Buch danken konnte fiel sie wieder in einen Dämmerzustand, der sie irgendwo zwischen Realität und Fantasie wandern lies.

Aly sah nicht nur beschissen aus, ganz verdreckt und mit zerrissenen Kleidern, sondern ihr schien es auch noch beschissen zu gehen. Sie phantasierte. „Fuck!“ stieß Rave ungehalten aus. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. „Scheiße, Aly.“ Machte ihm diese Frau denn nur Ärger? Er trat zu ihr, berührte ihr vor Fieber glühendes Gesicht und schreckte zurück. Zwischen den Ärger drängte sich nun Besorgnis. Er sah auf die Uhr. Bis Lex hier auftauchte, konnte noch gut eine halbe Stunde vergehen. Und so lange konnte er Aly ja schlecht hier liegen lassen. Aber was sollte er mit ihr tun? Konnte er das Risiko eingehen, sie in ein Krankenhaus zu bringen?
Als er ihren zitternden Körper betrachtete, erledigte sich diese Frage von selbst. Er hatte gar keine andere Wahl, er musste sie ins Krankenhaus bringen. Denn sonst … würde sie vielleicht sterben? „Oh Aly, was machst du denn nur …“ murmelte er leise, hin und her gerissen. Sollte er sie selbst fahren oder einen Krankenwagen rufen? Dann konnte er den Notarzt verständigen und sich verziehen. Dann wäre er anonym und aus dem Schneider, liefe dann nicht auch Gefahr, irgendwie aufzufallen. Andererseits …

Leise vor sich hin fluchend, nahm er Aly in seine Arme, und trug sie zu seinem Wagen, platzierte sie auf dem Beifahrersitz und brachte dabei irgendwie das Kunststück zustande, ihr dabei nicht den Kopf an der Tür oder so einzuschlagen. Das leise Stöhnen, welches ab und an über Lippen kam, verstärkte seine Besorgnis und er fuhr um einiges schneller, als er eigentlich sollte. Brachte diese Frau ihn jetzt schon dazu, sämtliche Sicherheitsvorkehrungen zu missachten? Vielleicht sollte er sich ja, wenn er sie im Krankenhaus abgeliefert hatte, der Polizei ausliefern, und freiwillig in den Knast gehen. Endlich kam das Gebäude des Krankenhauses in Sicht. Er parkte direkt vor dem Eingang. Der Pförtner kam sofort heraus gewatschelt und ihn darauf aufmerksam zu machen, dass das Parken hier verboten sei. Rave ignorierte den keifenden Mann, schob ihn bei Seite und hievte Aly aus dem Wagen, um sie dann unverzüglich in das Gebäude zu tragen.

Verschwommen bekam Aly mit wie sie jemand hochhob, aber dieser Jemand war nicht ihr Vater, sondern.... Rave? Aber was machte Rave hier in ihrem Zimmer? Und weshalb wollte er sie von hier wegbringen? Nein sie wollte nicht fort von hier. Ihre Ma war doch hier, sie würde sich schon um Aly kümmern. Und in ein paar Tagen wäre sie wieder fit und dann konnte sie mit Johnny die Abschlussfeier nachholen.

Sie sah ihn an und wollte ihm sagen dass er sie hier lassen sollte, dass er einfach gehen sollte und sie hier in ihrem Zimmer lassen sollte. Doch es kam kein Ton über ihre Lippen, einmal abgesehen von einem leichten Stöhnen als er sie hochhob. Nein...nein warum konnte er sie den nicht hier lassen? Sie wollte nicht wieder zurück. Doch sie konnte sich nicht gegen ihn wehren. Nicht nur ihre Stimme gehorchte ihr nicht mehr sondern auch ihre Arme und Beine wollte ihr nicht mehr gehorchen. Schlaff und resigniert lies sie sich von ihm hochheben und nach draußen in den Wagen bringen, in dem sie wieder in einen unruhigen, von Fieber übermannten Schlaf fiel.

Als er mit Aly auf dem Arm die Eingangshalle betrat, fuhren einige Blicke herum und starrten ihn an. Eine Schwester kam gleich auf ihn zugelaufen und fragte ihn, was denn los sei. „Sie braucht Hilfe, sieht man das nicht?“ schnauzte er sie ungehalten an. Die Frau mittleren Alters sah ihn mit gerunzelter Stirn an, rief dann aber einen Pfleger herbei, der eine Bahre herbei schaffte, auf der Rave Aly ablegen konnte. Der Pfleger schob sie einen Gang entlang. Die Schwester schien schon wieder Anstalten machen zu wollen, irgendetwas zu sagen, aber Rave ignorierte sie und ließ sie einfach stehen, um dem Pfleger zu folgen. Himmel, er benahm sich ja wie ein besorgter Ehemann. Er, der große Rave war so bescheuert, sie persönlich in einem Krankenhaus abzuliefern, wo sie gleich sicher seine Personalien aufnehmen wollten. Nur wegen seinem Namen konnte man ihn zwar nicht dauerhaft Einbuchten, aber er war der Polizei halt nicht unbekannt.

Als der Pfleger Aly in ein Zimmer schob, kam auch ein Arzt angelaufen und machte die Tür vor Raves Nase zu. Wütend wollte er einfach hinterher stürmen, aber er hatte sich hier schon auffällig genug benommen. Eine Weile blieb er vor dem Zimmer stehen, dann ging er ein paar Schritte und ließ sich, wider besseren Wissens, auf eine Bank nieder. Er sollte jetzt gehen, er wusste, dass er jetzt gehen sollte. Und trotzdem tat er es nicht. Wieder fluchte er still vor sich hin, während er darauf wartete, dass der Arzt oder der Pfleger heraus kamen, um ihm zu sagen, dass Aly wieder gesund wurde. – Damit er sie anschließend mit eigenen Händen erwürgen konnte!!! Die Zwischenzeit nutzte er, in dem er Lex eine Nachricht schickte, in der er das Treffen absagte und angab, dass er sich später nochmal melden würde.

Dr. Carter, ein junger Arzt der noch nicht sehr lange im County General arbeitete, war zusammen mit dem Pfleger in das Behandlungszimmer gegangen. Er brauchte nicht lange für seine Diagnose, das Mädchen welches da auf der Liege lag, schien eindeutig einen Lungenentzündung zu haben. Trotzdem ordnete er noch einige Tests an bevor er von der Schwester informiert wurde dass ein junger Herr, welcher das Mädchen gebracht hatte, vor dem Zimmer sitzen würde. Er wandte sich an den Pfleger und gab ihm Anweisung ihr erst einmal ein Antibiotikum zu verabreichen. Dann ging er vor die Tür um mit diesem Herrn zu reden.

Nachdem er die Tür des Behandlungszimmers hinter sich wieder geschlossen hatte, wandte er sich an den Mann der Davor saß. "Guten Tag, mein Name ist Carter, Dr. Carter. Sie haben die junge Dame gebracht, ist das richtig?" Er musterte den Typen vor sich, bevor er weiter sprach, "ich brauche einige Angaben von Ihnen, neben den Personalien die Sie mir bitte auf diesem Blatt hier ausfüllen," er reichte ihm einen Bogen zum Ausfüllen, "müsste ich noch einige Angaben über die Dame haben. Wie heißt sie? Hat sie irgendwelche Krankheiten von denen ich wissen sollte? Haben Sie einen Impfpass sowie einen Blutgruppen - Ausweis von ihr dabei? Besteht der Verdacht auf eine Schwangerschaft?" Alles Routinefragen, die sie im Notfall auch mit diversen Untersuchungen raus finden konnten, doch es war immer besser wenn ein Familienangehöriger da war der Diese beantworten konnte. "Ach, und bitte vergessen sie beim Ausfüllen der Personalien nicht ihre Versicherungsnummer anzugeben."

Als Carter, Dr.Carter, vor ihm stand, sah Rave ihn fragend an. Aber anstatt ihm die in seinem Blick stehende Frage zu beantworten. überhäufte ihn dieser Arzt selber mit Fragen. Die ersten Zwei ließ Rave noch einigermaßen geduldig über sich ergehen, aber dann stieg die mühsam unterdrückte Wut in ihm hoch. Wieder war er kurz davor seine Selbstbeherrschung zu verlieren. „Jetzt komm mal wieder runter!“ zischte er, während sich seine Hand zur Faust ballte. „Ich will nur wissen wie es ihr geht, und ob sie wieder gesund wird!“
Am besten war es vermutlich, jegliche Bekanntschaft zu Aly zu leugnen. Aber ob es dazu nicht zu spät war? Hatte er sich nicht viel zu emotional aufgeführt, als dass sie ihm abkaufen würden, dass Aly eine Fremde war? „Ich hab sie gefunden, da war sie schon so …“ meinte er, und behauptete damit indirekt sie nicht zu kennen. Er zwang sich selber zur Ruhe.

Er wollte nur wissen, was mit Aly war. Danach würde er verschwinden, bis man sie wieder raus ließ. Und dann … dann würde er all das mit ihr tun, was er sich gerade in seinem Kopf ausmalte. Oh ja, sie würde sich danach sicherlich wünschen zurück ins Hospital zu dürfen. Er durchbohrte den jungen Arzt mit finsteren Blicken, in der Hoffnung ihn damit einzuschüchtern. Wenn Rave wütend war, dann wirkte er noch respekteinflößender als sonst. Die eine Hand war immer noch zur Faust geballt, aber durch die langen Ärmel seines Mantels halb verborgen. Die andere hatte er in seine Manteltasche gesteckt, wo seine Finger nun etwas kaltes und glattes berührten. Seine Waffe. Innerlich stöhnte er auf. Die hatte er total vergessen. Gott, wie hatte er nur so dämlich sein können, und mit einer Pistole in ein Krankenhaus gehen können?

Doch Dr. Carter, so jung er auch war, lies sich von der Art dieses Mannes nicht beeindrucken. Es war nicht das erste Mal das ihm aufgebrachte Angehörige gegenüberstanden. Dass er aber ein Angehöriger war, dementierte der Typ gleich als er ihm sagte, dass er das Mädchen so gefunden hatte. Was ihn nun allerdings doch etwas stutzig machte. Wenn er, so wie er behauptete, oder so wie es von seinen Worten ausging, das Mädchen nicht zu kennen schien, weshalb war er dann so aufgeregt? Man konnte Cr. Carter ja einiges vorwerfen, doch er besaß zumindest ein bisschen Menschenkenntnisse.

"Nun, es tut mir leid, aber wenn Sie nicht ein direkter Verwandter sind, darf ich Ihnen leider auch keine weiteren Auskünfte geben. Hilfreich wäre allerdings wenn Sie mir sagen könnten, wo Sie die junge Dame gefunden haben, und ob Sie womöglich einen Ausweis oder sonst irgendwelche Papiere bei sich trug, Mr....?"
Er sah den Typen ruhig an. Das irgendetwas faul an der Sache war, war klar. Er hatte bei dem Mädchen Spuren von körperlicher Gewalt gefunden. Gut möglich das dies hier ihr Freund oder was auch immer war, und er sie womöglich so zugerichtet hatte.

Doch noch ehe ihm der Typ antworten konnte, kam die Schwester um ihm die Ergebnisse der Untersuchungen zu bringen. Er überflog kurz die Laborwerte. Die Anzahl der weißen Blutkörperchen war eindeutig erhöht was die Lungenentzündung bestätigte. Zudem sah er, dass der Drogentest ebenfalls positiv war. Was das Ganze erheblich erschwerte. Denn er würde das melden müssen. Er wandte sich wieder an den Typen, "Also folgendermaßen, entweder Sie sagen mir nun genau wo Sie sie gefunden haben und was Sie sonst noch wissen, oder Sie werden diese Fragen gleich der Polizei beantworten müssen."

„Bitte was?“ Das konnte doch jetzt nicht sein Ernst sein!?! „Verdammt noch mal, ich will überhaupt nicht wissen, welche scheiß Krankheit sie hat, ich will nur wissen, ob Sie sie wieder hinbekommen, damit ich endlich hier abhauen kann. Ich habe nämlich einen Job und keine Zeit mich hier mit Ihnen unnötig aufzuhalten!“ Er atmete schwer um nicht die Kontrolle zu verlieren. Die Knöchel an seiner zur Faust geballten Hand traten weiß hervor, so fest presste er sie zusammen.

Er hätte hier niemals aufkreuzen dürfen, er hätte einfach einen Krankenwagen rufen sollen und sich anschließend verpissen sollen. Aber zum Verpissen war es jetzt, dem Gesichtsausdruck des Arztes zur Folge, eindeutig zu spät. Nachdem er den Zettel, den eine Schwester ihm brachte, gelesen hatte, gelesen hatte, änderte sich dessen Verhalten insofern, dass er es nicht mehr mit ruhigen Worten versuchte, sondern Rave jetzt mit der Polizei drohte. „Was zum Teufel steht da drauf?“ polterte Rave alarmiert los und versuchte einen Blick auf das Papier zu werfen. Aber selbst wenn es ihm gelungen wäre, hätte er das Fachchinesisch sicher nicht verstanden.

Vermutlich war es besser jetzt zumindest nach Außen hin zu kooperieren. „In einer Seitenstraße am Stadtrand. Sie sah schon so aus. Ich würde keine Frau so zurichten.“ Er schnaufte verächtlich. Nein, das hätte er in der Tat nicht. Rave überfiel keine wehrlosen Frauen. Dann seufzte er und stimmte sich auf seine neue Rolle in. „Entschuldigen Sie … ich bin noch immer ziemlich aufgewühlt. Ich habe,“ er warf einen Blick auf die Uhr, „in einer Viertelstunde ein wichtiges Meeting …“ Er versuchte jetzt, einen auf geplagten Geschäftsmann zu machen, was ihm zwar auch gut gelang, wofür es aber vielleicht schon zu spät war. „Ich wäre Ihnen wirklich dankbar, wenn Sie mir sagen könnten, was mit dem Mädchen ist, damit ich weiter kann. Ich lasse Ihnen meine Nummer da, wenn Sie darauf bestehen, aber ich bin wirklich in Eile.“

Ob sich Carter damit abspeisen ließ? Oder würde er sich wenigsten kurzfristig verpissen, damit Rave dasselbe machen konnte? Er konnte sehr überzeugend sein, wenn er es darauf anlegte.

"Es tut mir leid, aber wie ich bereits erwähnt habe darf ich keine weiteren Auskünfte geben, wenn sie nicht direkt mit dem Mädchen verwandt sind." Carter sah ihn nach wie vor ruhig an. Auch als der Typ erneut versuchte mehr über ihren Zustand zu erfahren. Er wusste allerdings auch, dass er ihn nicht ohne irgendwelche Anhaltspunkte hier festhalten konnte. Und doch, irgendwie hatte er das leise Gefühl, das dieser Typ das Mädchen heute nicht zum ersten Mal gesehen hatte. Aber es war nicht seine Aufgabe das herauszufinden, Dafür war die Polizei verantwortlich und allenfalls das Sozialamt, falls es sich bei dem Mädchen um eine Obdachlose handeln sollte.

"Nun, in dem Fall..." setzte er an, kam aber nicht weiter als sich die Tür zum Behandlungszimmer hinter ihm öffnete. "Doc, bitte kommen sie schnell...sie kollabiert..." die Schwester die aus dem Behandlungszimmer trat winkte ihn aufgeregt in das Zimmer und Carter hatte somit keine Zeit mehr sich weiter um den Typen zu kümmern.

Die Vitalfunktionen hatten sich massiv verschlechtert. Er sah auf das EKG, welches die Schwester bereits angeschlossen hatte, und auf die Sauerstoffsättigung welche bedrohlich fiel. "Na los Beatmen..." er gab die üblichen Anweisungen, doch noch bevor er ihr eine Ampulle Suprarenin spritzen konnte, schien sich ihre Atmung, wie auch ihre Herzaktivität wieder zu normalisieren. Leise atmete Carter auf. Zur Sicherheit spritzte er ihr aber dennoch ein leichtes Mittel. Dann überprüfte er erneut ihre Temperatur, das Fieber war immer noch hoch, doch es schien langsam zu fallen. Das Antibiotikum schlug also an. Er wollte sich bereits wieder zurück zur Tür wenden um zu sehen ob der Typ noch da war, als er sah wie das Mädchen die Augen aufschlug.

Langsam kam Aly wieder zu sich. Sie öffnete vorsichtig die Augen und versuchte sich irgendwie zu orientieren? Wo war sie? Und was war passiert? Sie sah in das Gesicht eines Mannes den sie definitiv nicht kannte. Doch anhand seines weißen Kittels konnte es sich nur um einen Arzt handeln. Aber was machte ein Arzt hier? Dad... nein nicht ihr Dad war es den sie zuletzt in Erinnerung hatte sondern Rave. "Rave...." brachte sie schließlich leise hervor, "Wo bin ich.... Rave?" Sie versuchte sich etwas aufzurichten doch die Hände des Arztes drückten sie wieder zurück in das Kissen. "Sie sind im Krankenhaus, ein Mann hat Sie hergebracht, scheinbar hat er Sie auf der Strasse gefunden. Können Sie mir ihren Namen sagen?"

Gefunden? Aber wieso? Wie bin ich den auf die Strasse gekommen? Irgendetwas stimmte nicht. Und wieso war sie in einem Krankenhaus? Sie musste hier weg, sie konnte nicht hier bleiben ... Erneut versuchte sie sich aufzurichten, "Es tut mir leid... aber ich muss nun gehen..." Und erneut waren es die Hände des Arztes die sie sanft, aber bestimmt zurück drückten. "Sie können nicht gehen, sie haben eine Lungenentzündung und es wäre verantwortungslos von mir wenn ich Sie nun gehen lassen würde. Außer Sie können mir die Nummer von irgendwelchen Angehörigen geben die Sie hier abholen können. Ansonsten werde ich Sie hier behalten müssen."

Das war nun nicht gut, sie konnte ihm keine Nummern oder sonstige Angaben geben. Resigniert wandte sie den Kopf ab. Am besten wäre es wohl wenn sie im Moment überhaupt nichts mehr sagen würde, doch der Arzt schien das Anders zu sehen. "Können sie mir ihren Namen sagen Miss? Und sie nannten vorhin einen Namen.... Rave...? Können wir diesen Rave irgendwie verständigen?" Aly wandte ihren Kopf wieder dem Arzt zu, "es tut mir leid, aber ich kann mich an nichts mehr erinnern.... ich kennen keinen Rave..."

Dr. Carter war nicht dumm, er merkte sofort das das Mädchen log, doch im Moment schien es keinen Zweck zu haben sie weiter auszufragen. Sie würde ihm ja doch nicht mehr verraten. Vielleicht war es sowieso besser wenn er einen Psychologen hinzuziehen würde. "Ok Miss, wenn Sie etwas brauchen fragen Sie einfach Schwester Abby hier, sie wird sich um Sie kümmern. Ich werde später wieder nach Ihnen sehen." Mit einem leisen Seufzen wandte er sich ab, als ihm der Typ vor der Tür wieder einfiel. Vielleicht sollte er sich doch noch einmal mit ihm unterhalten. Sofern er denn noch da war.

Und er war noch da, er hatte tatsächlich gewartet, was wiederum Carters Annahme bestätigte das der Typ das Mädchen wahrscheinlich eben doch kannte. War vielleicht ... womöglich sogar er dieser Rave? Nun das lies sich doch ganz einfach rausfinden. Er schloss die Tür des Behandlungszimmers wieder hinter sich und blickte ihn dann direkt an, "Sie sind ja doch noch da.... Rave.."

Rave rollte mit den Augen und starrte Carter wütend an. Sicher gab es da diese Vorschriften, aber man konnte sich auch anstellen. Der hätte sich schließlich keinen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn er ihm nur gesagt hätte, dass es Aly wieder besser gehen würde. Aber warum war ihm das eigentlich so wichtig zu wissen? Dieses Weib machte ihm doch wirklich nur Ärger… Vermutlich war es derselbe unergründliche –und völlig bescheuerte- Grund, sie überhaupt bei sich aufzunehmen. Er konnte bis heute nicht verstehen, was ihn damals geritten hatte …

Doch bevor Carter noch mehr sagen konnte, und sich Rave zu einer vermutlich unpassenden Bemerkung hinreißen lassen konnte, wurde die Tür zum Behandlungszimmer aufgerissen, und Carter wurde herein gerufen. An sich ein erfreulicher Augenblick – wenn die Schwester nicht so nervös geklungen hätte und dieses böse Wort benutz hätte. Kollabiert ... Rave hatte zwar nur eine wage Vermutung über die Bedeutung, aber ihm war sofort klar, dass dies keine Freudennachricht war.

Als sich die Tür hinter Carter schloss, stand Rave wie bestellt und nicht abgeholt auf dem Flur. “Scheiße, scheiße, scheiße …“ murmelte er leise vor sich hin, während sein Verstand ihn beglückwünschte und ihn anwies, die Gunst der Stunde zu nutzen und somit ungeschoren aus dem Ganzen herauszukommen. Aber er ging nicht. Rave, auf dessen Verstand sonst immer Verlass war und der sich von persönlichen Dingen niemals ablenken ließ, brachte es einfach nicht fertig das Krankenhaus zu verlassen. Frustriert ließ er sich wieder auf die Bank nieder und starrte Löcher in die Gegenüberliegende Wand. Er hätte jetzt gerne eine geraucht, aber in einem Krankenhaus tat man so etwas nicht, und er sollte es wohl vermeiden, sich noch weiter mit dem Personal anzulegen.

Als Carter nach einer Weile wieder aus dem Zimmer kam, schreckte Rave auf. „Was, wie … ja?“ fragte er und registrierte im ersten Moment gar nicht, dass Carter ihn mit seinem Vornamen angesprochen hatte. Doch dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Einen winzigen Moment zuckte sein Blick, den Rest seiner Mimik hielt er mühsam unter Kontrolle. Kein Grund zur Aufregung! ermahnte er sich selbst. Zwar hatte Carter die richtigen Schlüsse gezogen – hatte Aly nach ihm gefragt? – aber vermutlich hätte Rave auch auf jeden anderen Namen so reagiert, es war also kein Beweis für irgendetwas. Trotzdem konnte er sich dem unguten Gefühl, dem jungen Arzt in die Falle gegangen zu sein, nicht erwehren. „Wie geht es dem Mädchen?“ fragte er, in der Hoffnung, endlich eine Antwort zu bekommen und Cartes Gedankengänge irgendwie zu unterbrechen.

Also doch, Carter schien mit seiner Vermutung richtig zu liegen, wie ihm die Reaktion von dem Typen zeigte. Dennoch war er sich noch nicht 100% sicher. Aber alleine die Tatsache dass er immer noch hier vor der Tür wartete und nicht so wie er gesagt hatte eiligst wieder weg musste, verstärkte seine Vermutung. "Nun Mr. ... ich habe Ihnen bereits gesagt das ich keinerlei Auskünfte geben darf wenn ich nicht sicher sein kann das Sie mit dem Mädchen verwandt sind.“ Er blickte den Typen ruhig an. "Doch wie wär's mit einem Deal?" Ok, Carter wusste das Dies nicht ganz die handelsübliche Art war, doch solange er ihm nicht mehr erzählte als das es dem Mädchen den Umständen entsprechend ging, verletzte er auch nicht die ärztliche Schweigepflicht.

Er wartete einen Moment fuhr dann aber fort, "Wie wär's wenn Sie mir etwas mehr über das Mädchen verraten würde, ihren Namen zum Beispiel und was genau passiert ist, und ich könnte mich eventuell dazu überreden lassen Ihnen auch eine Auskunft über ihren Gesundheitszustand zu geben... Rave... das ist doch Ihr Name...?"
Carter sah ihn gespannt an. Und sollte er sich doch als Verwandter ausweisen können, würde er ihn sowieso nicht davon abhalten können zu dem Mädchen ins Zimmer zu gehen.

Na da hatte Aly ihn ja schön in die Scheiße geritten. Oder vielmehr hatte er sich das selbst zuzuschreiben. Carter hatte ihn längst durchschaut. Dieser Deal, den er Rave vorschlug, sagte ihm allerdings, dass Carter sich noch nicht ganz sicher war, aber bei Raves heutigem Geschick würde es sicherlich nicht mehr lange dauern. Aber wenigstens etwas, denn Rave entsetzte sich gerade selbst, in dem er einen Augenblick ernsthaft über Cartes Angebot, dieses völlig inakzeptable Angebot, nachdachte. Schnell schüttelte er den Kopf. „Hören Sie Carter, ich würde Ihnen wirklich gerne helfen – wenn ich denn könnte. Ich habe Ihnen bereits alles gesagt was ich weiß. Wo ich sie gefunden habe, und dass sie sich bereits in diesem Zustand befand. Und da Sie anscheinend völlig besessen von Ihren bescheuerten Regeln sind, und mir ja partout nichts sagen wollen, nehme ich an, dass unsere äußerst aufschlussreiche Unterhaltung hiermit beendet ist.“ Auf die Frage, ob er Rave wäre, antwortete er nicht, ging nicht einmal ansatzweise darauf ein.

Aly hatte also seinen Namen genannt, und nun glaubte dieser Schwachkopf Carter natürlich, dass dieser ominöse Rave Aly so zugerichtet hatte. Er schnaufte unwillig und drehte sich um. „Einen schönen Tag noch, Carter!“ meinte er ironische zu dem jungen Arzt und eilte dann mit großen Schritten den Flur entlang. Aber selbst für Rave fühlte es sich wie eine Flucht an. „Scheiße, Aly …“ murmelte er leise. Bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit bog er um eine Ecke, um aus Cartes unmittelbarem Blickfeld zu gelangen. Als er ein Herrenklo entdeckte, öffnete er kurzerhand die Tür und verschwand darin.

Dort lehnte er sich erstmal gegen die Wand, schloss einen Augenblick die Augen und massierte sich die Schläfen. Gut, dass Aly offensichtlich keine Papiere bei sich gehabt hatte. Schlecht, dass er sie nicht vorher nach verräterischen Hinweisen untersucht hatte. Raves Selbstbild hatte einen gewaltigen Riss bekommen. Ihm, der immer alles kontrolliert hatte, schien nun langsam alles durch seine Finger zu rinnen, sich seiner Kontrolle zu entziehen. Vor allem er selbst.

„Fuck!“ rief er, um Selbstbeherrschung ringend. Als dann plötzlich in einer der Kabinen die Spülung betätigt wurde, zuckte er erschrocken zusammen. Ein Mann kam heraus, nickte ihm fahrig zu, wusch sich die Hände und verließ eiligst das Klo. Rave beachtete ihn kaum. Wieso hatte er nicht vorher nachgeschaut, ob jemand auf den Toiletten war? So was durfte ihm doch nicht passieren. Aber anscheinend legte er es heute auch noch besonders darauf an, möglichst viele Fehler zu begehen. Und warum? Wegen Aly? Nein, das konnte nicht sein, durfte nicht sein, das war völlig unmöglich. Vielleicht hatte er ja Grippe … oder einen vorübergehenden Aussetzer seiner geistigen Fähigkeiten. Beinahe hätte er selbst über sich gelacht.

„Was für ein ausgemachter Schwachsinn!“ Er schüttelte den Kopf, trat zum Waschbecken und spritzte sich etwas Wasser ins Gesicht. Dann betrachtete er sein Spiegelbild. „Mann siehst du heute scheiße aus.“ warf er sich selbst vor, eher er sich selbst den Rücken zuwandte und wieder auf den Flur trat, bereit, seinen nächsten großen Fehler zu begehen.

Carter sah dem Typen kopfschüttelnd nach. Gut wen er nicht wollte, nicht sein Problem. Schlussendlich war er sowieso nur darum besorgt, dass es dem Mädchen gesundheitlich wieder besser gehen würde. Für alles andere war die Polizei zuständig. Und Diese würde er nun auch informieren. Mit eiligen Schritten bewegte er sich in die andere Richtung zum Empfang um der Schwester, die Dienst hatte, ausrichten das sie die Polizei anrufen solle. Dabei nahm er sich gleich die nächste Krankenakte und ging damit zum nächsten Patienten.
25.5.09 21:13
 


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