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Aly & Rave eine RPG-Love-Story Part II

Der ungemütliche Herbst empfing sie mit Wind und Nieselregen. Jetzt ärgerte er sich, dass er das Taxi nicht direkt zum Club beordert hatte, aber daran ließ sich nun kaum noch etwas ändern. Er warf einen kurzen Blick auf Aly, legte ihr nun den Arm um die Hüfte, und ging dann mit schnellen Schritten zu dem verabredeten Platz, wo das Auto erfreulicherweise schon auf sie wartete.

Sie sah ihn immer noch unsicher an, doch er äußerte sich nicht weiter zu der Sache, obwohl sie ihm seinen Missmut und seine schlechte Laune sehr gut ansehen konnte. An und für sich nichts ungewöhnliches, er war öfters schlecht gelaunt, nur war es nie wegen ihr gewesen. Im Gegenteil, sie hatte ihn in solchen Fällen immer aufgemuntert. Doch in dem Fall würde sie das wohl kaum können.

Als er schließlich den Shuttleservice des Hotels anrief, war sie nur noch froh endlich hier raus zu kommen.
Einfach nur unter die Bettdecke kriechen, nichts mehr hören, nichts mehr sehen und am liebsten auch nicht mehr denken. Nachdem er sein Handy wieder versorgt hatte und die Bezahlung der Drinks unter den Aschenbecher gelegt hatte, stand sie, seiner Aufforderung folgend, auf und verließ mit ihm zusammen den Club.

Irgendwie hatte Rave die Angewohnheit das Taxi nie bis vor den Club zu bestellen, weshalb wusste sie auch nicht so genau. Auf jeden Fall musste sie noch ein ganzes Stück laufen. Und dieses Stück stellte sich heute Nacht als recht anstrengend heraus. Einerseits weil sie sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte, was nach dem heutigen Drogen - und Alkoholkonsum und auch der Aufregung kein wunder war, anderseits schien ein heftiger Herbststurm aufzukommen. Der Wind blies ihr immer wieder das lange Haar ins Gesicht und der leichte Nieselregen lies sie leicht schaudern. Sie war froh als Rave ihr den Arm um die Taille legte, so stütze er sie, wenn auch unbewusst, zumindest etwas. Als sie das Taxi erreicht hatten stieg sie sofort ein und kauerte sich leicht zitternd in den Sitz. Kein Ton war mehr über Raves Lippen gekommen, seit sie den Club verlassen hatten und auch auf der Fahrt zum Hotel schwiegen sie einander nun an.


Sie sah aus dem Fenster des Taxis, sah die Lichter der Großstadt, die Lichter die sie einst so fasziniert hatten. Die großen Leuchtreklamen am Broadway, die Cafés und Bars die die ganze Nacht geöffnet hatten.
Sie sah junge und alte Menschen, Touristen die all die Farben und die Stimmung auf Fotos festhielten um sie dann später, Zuhause, sorgsam in Fotoalben zu kleben. Sie sah Menschen die lachten, das Leben genießen, das Rockefeller Center, die Trinity Church, die auch um diese Zeit noch so manchem einsamen Schäfchen die Tür aufhielt. Ja sie konnte das Leben sehen. Überall um sie, konnte den Puls dieser Stadt fühlen, den auch sie einst angezogen hatte. Diese Stadt die Gegensätzlicher nicht sein konnte. Die es verstand den Glanz und den Glamour ebenso zu präsentieren, wie das Elend zu verschweigen. Kein echter New Yorker würde je zugeben dass diese Stadt genau so schlecht wie schön sein konnte. Nein New Yorker waren stark. Und New Yorker schafften alles, rappelten sich immer wieder auf, selbst nach Tragödien wie 9/11. Sie hielten zusammen. Oh ja, keinem sollte es in dieser Stadt schlecht gehen. Doch wo waren alle diese schönen Worte wenn man in den Underground von New York ging? Wenn man durch die Metroschächte lief, oder über den Drogenstrich? Wenn man sich in Harlem wieder fand in mitten von Straßenkämpfen? Oh ja, denn auch das war New York... Fernab von den Lichtern der Großstadt verborgen im Dunkeln.

Erst als das Taxi vor dem Hotel anhielt und der Portier kam um ihr die Tür aufzuhalten kehrte sie langsam wieder in die Welt zurück in der sie nun war. Eine Welt irgendwo zwischen den Lichtern und der Dunkelheit.
Immer noch schweigend stieg sie aus und folgte Rave hinauf in die Suite.

Der Portier hielt ihnen höflich die Tür auf, Rave würdigte ihn keines Blickes. Und der Portier war, wenn er ehrlich war, auch froh darüber. Denn die wenigen Male, in denen er bei Rave Beachtung gefunden hatte, waren ihm nicht in guter Erinnerung geblieben. Die Dame an der Rezeption nickte ihnen typisch nichtssagend-freundlich zu, und wünschte ihnen halblaut eine gute Nacht. Auch sie beachtete Rave kaum. Er ging direkt zum Fahrstuhl, seine Dauersuite befand sich im obersten Stockwerk, und nicht mal, wenn er gerade seine sportlichen fünf Minuten hatte, kam es ihm in den Sinn, die etlichen Etagen hoch zu laufen. Und selbst runter lief er meistens nur ein paar Stockwerke, einfach, weil es dann eine halbe Ewigkeit dauerte, bis er endlich unten war.
Jedenfalls wählte er nun die entsprechende Etage aus, und fuhr mit Aly nach oben.

Die riesige Suite war dunkel als sie sie betraten. Erst als er den Lichtschalter betätigte, erstrahlte der riesige Raum in angenehmen, nicht zu grellem Licht. Rave hatte die Suite nach seinen speziellen Wünschen umbauen lassen, und dabei auf eine vielseitige Beleuchtungstechnik geachtet. Er fand es praktischer in einem Hotel zu wohnen, als in einem eigenen Haus. Er lebte hier nun schon seit gut einem Jahr und war bisher äußerst zufrieden.
Seinen Mantel hängte er an der Garderobe auf, ging dann auf direktem Weg zur Minibar, und schenkte sich noch einen Scotch ein. Nachdem er einen Seitenblick auf Aly geworfen hatte, machte er ihr auch einen, auch wenn er der Meinung war, dass sie bereits genug getrunken hatte. Aber auf einem mehr oder weniger, kam es vermutlich auch nicht mehr an. Dann kam es ihm in den Sinn, dass Aly vielleicht lieber direkt schlafen wollte. Fragend sah er sie an, und deutete auf die beiden Gläser. „Noch einen vor dem Einschlafen?“

Dann nahm er die beiden Gläser, stellte sie auf den kleinen Glastisch und setzte sich aufs Sofa. Mit einem leisen Seufzer lehnte er sich in die Kissen. Er fühlte sich müde, frustriert, war verspannt und wollte so bald wie möglich ins Bett. Aber ein Scotch war noch drin, war nötig. Und morgen würde er sich dann Gedanken über das Alex-Problem machen, ein paar Anrufe tätigen und versuchen etwas in Erfahrung zu bringen. Wenigsten schon mal, ob es nun tatsächlich ein Mord gewesen zu sein schien, oder nur der Versuch eines Junkies, sich in eine bessere Welt zu katapultieren, die es nicht gab, weil es nach dem Tod einfach überhaupt nichts gab. Nichts, als große, schwarze Leere. Auf einer Seite ein beruhigendes Gefühl, weil man keine Sorge haben musste, dass jede Tat im Leben hinterher abgerechnet wurde. Die Rechnungen für seine Taten bekam man, laut Raves Einstellung, bereits im Leben, und nicht erst danach. Auf der anderen Seite machte die Vorstellung von einem Nichts den Tod sicherlich nicht attraktiver. Gedankenverloren, mit unbewegtem Gesichtsausdruck starrte er auf seinen Scotch.

Ebenso schweigend wie Rave war sie ihm durch die Lobby des Hotels und zum Aufzug gefolgt. Als sie die Suite betraten, zog sie ihre Jacke aus und hängte diese, ebenfalls an der Garderobe auf. Dann folgte sie Rave zur Minibar, dies alles mit einer automatischen Normalität als wäre nichts geschehen. Sie wartete das Rave sich eine Scotch einschenkte, und hätte er für sie nicht auch einen eingeschenkt, hätte sie es selbst gemacht. Sie nickte nur als er sie fragte ob sie überhaupt noch einen wolle.

Doch anstatt sich ebenfalls auf das Sofa zu setzen, nahm sie das Glas, das er auf den Glastisch gestellt hatte und ging mit diesem zu der großen Fensterfront. Eine Weile sah sie nur schweigend hinaus in die dunkle Nacht, doch dann öffnete sie die Schiebetür die auf die Terrasse führte und ging hinaus. Der Wind schien hier oben noch stärker zu sein und sie fröstelte kurz etwas. Doch sie lies sich davon nicht wieder hineintreiben. Langsam ging sie auf die Brüstung zu, stützte einen Arm darauf ab und sah hinunter auf die Straße. Ihre Gedanken kreisten immer noch um Alex. Sie sah ihr Gesicht, ihre feuerroten Haare und die paar neckischen Sommersprossen auf ihrer Nase. Erinnerte sich an den Spaß den sie zusammen hatten als Aly nach New York gekommen war. Was wäre wohl gewesen, wenn Alex sie damals nicht mit in den Club genommen hätte? Wäre sie nun womöglich dort wo sie immer sein wollte? Auf einer Bühne? Spielte richtige Rollen und würde die Anerkennung bekommen die ihr zu stand? Ja, was wäre wenn?


Doch es war eben nicht. Und es hatte keinen Sinn sich etwas vor zumachen, sie war selbst verantwortlich für das was sie nun war, was sie gemacht hatte. Und diese Erkenntnis traf sie nun mit ganzer Härte. Um das einzusehen hatte erst ihre Freundin sterben müssen. Sie sah auf das Glas in ihrer Hand, sah auf den verlockenden Inhalt um es dann mit voller Wucht auf den Boden zu schmeißen. Das Glas zerbrach klirrend und der Inhalt breitete sich langsam über den sauberen Boden aus. Eine Weile sah sie nur stumm darauf, folgte dem Scotch der langsam eine Rinne entlang der Brüstung zog. Es war als würde er sie verspotten, sieh, ich fließe auch noch wenn du schon lange nicht mehr bist...

Dann, langsam hob sie ihren Blick wieder, das Haar wehte ihr ins Gesicht und verwischte die Tränen, die ihr unbewusst über die Wangen gelaufen waren. Sie lehnte sich wieder an die Brüstung an. Ihr Blick wanderte über die Häuser die gegenüber lagen, hoch zum sternenlosen Himmel. Und plötzlich wusste sie was sie machen musste. Langsam zog sie sich auf der Brüstung hoch und setzte sich dann auf diese, die Beine darüber schwingend so das diese nun nach außen hin runterbaumelten. Nein, sie hatte nicht vor runter zu springen, sie wollte nicht einmal nach unten sehen. Doch sie wollte sich selbst beweisen dass sie noch etwas schaffen konnte selbst wenn es sie große Überwindung und Mut kosten würde. Langsam löste sie ihre Hände von dem Geländer um sie beidseitig auszustrecken. Sie schwankte kurz, faste mit einer Hand wieder an das Geländer um dieses gleich wieder loszulassen. Aber schließlich fand sie das Gleichgewicht. Sie legte sie den Kopf leicht nach hinten in den Nacken und schloss die Augen. Für jeden Außenstehenden mochte es so aussehen als ob sie lebensmüde wäre, irre...vollkommen durchgedreht. Doch für sie war es einfach nur ein Test. Würde sie fallen, dann hätte sie es nicht anders verdient. Würde sie es aber schaffen, so ein paar Minuten ruhig dazusitzen, dann... ja dann wusste sie, sie konnte alles schaffen...

Aber im Scotch würden seine Gedanken sicherlich keine Auflösung finden, beziehungsweise war es nicht sein Wunsch. Er nahm einen kleinen Schluck, kaum genug um seine Lippen zu befeuchten, ehe er das Glas wieder abstellte. Aly, die zwar wohl ihren Scotch nahm, sich aber nicht zu ihm gesetzt hatte, trat auf den Balkon hinaus. Bei den Witterungsverhältnissen konnte Rave dem Balkon nichts Gutes abgewinnen, aber er stand ja auch nicht da draußen.
Eine Weile ruhte sein Blick durch die großen Glasscheiben an ihr, ehe er sich abwandte, und nach der Fernbedienung für die Musikanlage griff. Mit zwei Knopfdrücken ertönte das gewünschte Lied.

yeah I found god
and he was absolutely nothin' like me
he showed me up like some dime store hooker
who was plain to see
I couldn't take it anymore so I went back to the sea
cuz' that's where fishes go
when fishes get the sense to flee


Müde schloss er die Augen und legte seinen Kopf in den Nacken. Mit den Händen massierte er sich seine Schläfen. Es war wirklich Zeit ins Bett zu gehen. Im Schlaf fielen ihm oft Lösungen für irgendwelche Probleme ein, über die er vorher erfolglos nachgegrübelt hatte. Manche Menschen bekamen ihre besten Ideen in der U-Bahn oder auf dem Klo, er halt im Schlaf. Er stieß einen leisen Seufzer aus und öffnete die Augen wieder. Das was er sah, erschreckte ihn ziemlich; Aly saß auf der Brüstung, beide Arme von sich gestreckt. Er sprang vom Sofa auf, und wollte auf den Balkon stürzen. Das, was er im Moment am wenigstens brauchen konnte, war eine zu Brei zermatschte Aly vor dem Haupteingang des Hotels, die sich von seinem Balkon gestürzt hatte. An der Tür hielt er kurz inne, blieb stehen. Schließlich wollte er Aly nicht erschrecken, um damit vielleicht das zuprovozieren, was er eigentlich verhindern wollte.

where you goin' now?
what's your plan?


“Mach bloß keinen Scheiß.” sagte Rave mit leiser Stimme, aber auch deutlich gereiztem Unterton. Er wusste nicht genau woran es lag, aber Alys Leichtsinn machte ihn wütend. Beinahe so wütend, wie früher am Abend, als er sie mit Ezra gesehen hatte. Vielleicht sogar noch wütender, aber auf eine andere Art und Weise.
Er stand immer noch in der Tür, es machte ein bisschen den Eindruck, als wäre dort eine unsichtbare Grenze, die es ihm verbot auf den Balkon hinaus zu treten. Dabei gab es dafür keine rationalen Gründe, nicht einmal Höhenangst hatte er. Aber irgendwie machte ihm der Gedanke auf dem Balkon zustehen, während Aly sprang oder fiel, unglaubliche Angst. Seine Stirn war in Falten gelegt, die man als Zornesfalten, aber auch durchaus als Sorgenfalten sehen konnte. „Komm da weg. Das ist gefährlich!“ Als ob sie das nicht selber wissen würde. Aber vielleicht war das der Einfluss des Alkohols, der Drogen … der Trauer. Leise drang die Musik aus dem Wohnzimmer durch die Tür, hinaus in die dunkle Nacht.

whatcha doin' in this darkness baby?
when you know that love will set you free
will you stay in the sea forever?
drownin' there for all eternity


Mit einem Ruck trat er nun doch über die Türschwelle hinaus. Er musste sich unheimlich zusammen reißen, um nicht zu ihr zu treten, und sie mit einem Ruck von dem Geländer zu ziehen. Die Landung wäre für Aly wohl auch recht unangenehm gewesen, aber immer noch besser nach hinten gefallen werden, als sich auf dem Bürgersteig in rote Soße zu verwandeln. Langsam trat er neben sie an die Brüstung, den ganzen Körper angespannt, um sie im Notfall noch greifen zu können. „Jetzt mach schon, komm da runter.“ Du machst mir Angst. Er konnte ja nicht wissen, dass Aly grundsätzlich nicht vorhatte, sich umzubringen. Und selbst wenn, so wäre es trotzdem angsteinflößend gewesen, immerhin befanden sie sich hier auf der obersten Etage eines wirklich großen Hotels. „Bitte.“

whatcha doin' in this darkness baby?
come on out into the light of love
come on out into the light of love child
don't spend another day
livin' in the sea, livin' in the sea

So sass sie da, die Augen geschlossen und so ruhig wie sie wohl kaum einmal war in der letzten Zeit. Und sie fühlte sich frei, so frei wie sie sich noch nie gefühlt hatte.

Raves Stimme, wie auch die Musik drangen an ihr Ohr. Mach bloß keinen Scheiß. Komm da weg.... Das ist gefährlich... Doch sie ignorierte ihn. Gefährlich? Auch nicht gefährlicher als ihr Leben. Nein dies war, ganz bestimmt sogar, weniger gefährlich als manches was sie schon gemacht hatte. Und sie hatte nicht vor dieses Gefühl nun schon aufzugeben.... Es war beinahe besser als ein Drogentrip. Das Adrenalin schien förmlich durch ihren Körper zu rasen. Ja es war beinahe wie fliegen....

Like an eagle in the sky
Spread my wings and fly
And I'm sailin' on the wind
My eyes won't miss a thing
And life begins

Genauso fühlte sie sich... Langsam öffnete sie ihre Augen wieder und konnte den dunklen Himmel über sich sehen. Der Wind war stärker geworden und die Regentropfen fielen ihr ins Gesicht. Der Himmel weinte und sie lächelte...

Jetzt mach schon, komm da runter...Bitte... Irrte sie sich oder hatte sich der Klang von Raves Stimme verändert? War das Angst? Sorge? Sie senkte den Kopf langsam. Und weg war das Gefühl der Freiheit. Da war sie wieder die Realität. Der Wind blies ihr das Haar ins Gesicht und der leichte Nieselregen hatte sich in einen richtigen Herbstregen verwandelt. Und dann sah sie hinunter auf die Straße und in dem Moment wurde ihr klar das sie kurz davor gewesen war, ihr Leben zu riskieren. Zu riskieren für einen sinnlosen Test. Na gut immerhin hatte sie ihn bestanden. Sie war nicht gefallen. Und das Gefühl, für einen Moment allem zu Trotzen, hatte sie mehr als genug entschädigt.

Langsam lies sie ihre Arme sinken und hielt sich nun wieder am Geländer fest. Sie zitterte leicht, ob es von dem Adrenalinschub oder von der Kälte war wusste sie nicht so genau. Den Blick immer noch nach unten, drehte sie sich langsam um, um zurück auf den Balkon zu klettern. Doch als sie schon ein Bein über die Brüstung schwingen wollte, rutschte sie mit der Hand auf dem nassen Geländer aus.... Im letzten Moment konnte sie sich noch mit der anderen Hand an der Brüstung festhalten, doch lange würde sie sich so nicht halten können. Die andere Hand versuchte nun wieder Halt zu finden auf der nassen Oberfläche, doch sie rutschte, bei dem Versuch sich hochzuziehen gleich wieder ab. Hatte sie den Test doch nicht bestanden? War es das gewesen? Würde sie nun einfach fallen? Ihre Finger rutschten immer mehr ab...

„Aly!“ Ja, sein Schrei klang eindeutig besorgt, ängstlich, beinahe panisch. Ein Schmerz durchzuckte seine angespannten Muskeln, als er so plötzlich einen Satz nach vorne machte, um nach Aly zu greifen. Vor seinem inneren Auge sah er sie schon vor seinen Augen fallen. seine Gedanken rasten in neuer Rekordgeschwindigkeit. Aber noch schneller regierte sein Körper. Er griff über das Geländer und umfasste ihre Handgelenke. Oh nein, vergiss es, du wirst jetzt nicht fallen! Die eine Hand rutschte ihm zwischen den Fingern hindurch, aber das andere Handgelenk hielt er fest umfasst. Mit angespanntem Gesichtsausdruck zog er sie über die Brüstung.

Als er sich überzeugt hatte, dass sie wieder sicher stand, verschwand die unglaubliche Erleichterung, die in seinem Blick zu sehen gewesen war. Sie verschwand, und machte Platz für nicht weniger unglaubliche Wut. Mit verzerrtem Gesichtsausdruck sah er sie einen Augenblick an, ehe er sich ruckartig umdrehte, und ohne ein Wort zu sagen wieder im Haus verschwand.

Auf dem Weg zur Bar griff er mit zittriger Hand nach dem Scotchglas von dem kleinen Wohnzimmertischchen. In einem Zug hatte er es geleert. Als er das Glas erneut füllte, verschüttete er einen Teil des guten Scotchs. Er schnaufte, nahm sich die ganze Flasche, und verschwand mit eckigen Bewegungen in sein Schlafzimmer.

Bevor ihre Finger ganz abrutschten ergriff Rave ihr Handgelenk. Hätte er nur eine Sekunde gezögert, wäre sie nun, sie sah nach unten... ein Schaudern erfasste, sie wäre drauf gegangen wenn er sie nicht festgehalten hätte.
Mit der anderen Hand klammerte sie sich an ihn als er sie über die Brüstung zog. Ihr Herz klopfte wie wild als sie auf der anderen Seite wieder Boden unter den Füßen spürte.

Was für ein Teufel hatte sie nur geritten? Sie sah Rave an und der Schock stand ihr noch in den Augen. Sie realisierte nicht einmal sein erleichtertes Gesicht, dem nun aber ein wütender Ausdruck Platz machte. Und noch bevor sie etwas sagen konnte drehte sich Rave ab, ging wieder rein, schnappte sich die Flasche mit dem Scotch und verschwand damit in seinem Schlafzimmer. Ihre Augen folgten ihm, nahmen alles wahr, doch ihre Gedanken waren zu wirr um zu kapieren was gerade eben abgegangen war. Er hatte sie gerettet, zum zweiten Mal. Ihr Blick wanderte wieder zurück auf die Straße unter ihr. Alles nahm seinen gewohnten Gang da unten. Die Autos fuhren, oder besser stauten sich auf der 5th Ave. Irgendwo konnte man die Sirene eines Polizeiautos hören und das Gehupe eines genervten Taxifahrers. Keiner da unten konnte ahnen was gerade hier oben passiert war. Wie hätte wohl die Schlagzeile gelautet, wenn sie gefallen wäre?

Tragischer Unfall im Hotel... oder War es Selbstmord...?

Verdammt, konnte sie den nie etwas richtig machen? Langsam lies sie sich an der Brüstung hinunter sinken, schlug die Arme um die Beine und kauerte einfach nur da. Durchnässt bis auf die Unterwäsche. Sass einfach nur da, zitternd und starr auf die Balkontür starrend. Unmöglich einen klaren Gedanken zu fassen.

Sie wusste nicht wie lange sie so da gesessen hatte, doch irgendwann, als alle ihre Tränen versiegt zu sein schienen, löste sich ihr starrer Blick von der Tür. Langsam regte sie sich und stand dann auf um ins Bad zu gehen.

Mit Schwung warf er die Tür hinter sich zu, so dass sie mit einem lauten Knallen ins Schloss fiel. Den Scotch stellte er auf dem Nachttisch ab, zog sich dann Schuhe, Jacket und Krawatte aus, und warf sich dann auf sein Bett. Natürlich hatte Rave auch in seinem Schlafzimmer eine beeindruckende Musikanlage, die er jetzt auch erstmal anwarf. Er wollte nichts hören, gar nichts. Er setzte die Flasche an seine Lippen, und nahm einen großen Schluck. Eigentlich eine Verschwendung. Es war wirklich guter Scotch, den er da wie einen billigen Fusel in sich hinein schüttete. Aber irgendwie musste er das unkontrollierbare Zittern, welches von seinen Händen Besitz ergriffen hatte, unterdrücken, oder noch besser, beseitigen.

Fahrig fuhr er sich mit der Hand durch die Haare, welche durch den kurzen Aufenthalt auf dem Balkon von kleinen Nieselregentröpfchen feucht geworden war. Da draußen hatte er eben seine Selbstbeherrschung verloren. Erst die Angst, dann die Erleichterung und schlussendlich noch die Wut. All diese Gefühlsregungen waren allzu deutlich in sein Gesicht geschrieben gewesen. Er hasste es die Kontrolle über sich zu verlieren! Aly… Sie war schuld daran. Wieder setzte er die Flasche an, ganz gegen seine Art. Rave soff keinen Alkohol, er genoss. Aber Rave verlor auch nicht die Kontrolle, ließ sich nicht von einem Mädchen so aus der Fassung bringen. Nein, Rave wäre auch nicht auf sein Zimmer geflüchtet, hätte nicht die Tür hinter sich zugeschlagen, wie ein wütendes Kind. Rave nicht.

Rave- nein, im Moment wohl mehr Rafael-, presste die Lippen aufeinander, während er die Musik noch lauter machte. Er schloss die Augen als der Alkohol seine Kehle hinunterlief und sich seine Gedanken nur um eins drehten. Aly. Pah! Sie hatte es überhaupt nicht verdient, dass er auch nur einen Gedanken an sie verschwendete. Wer war sie denn schon? Ein erbärmlicher Junkie, den er von der Straße aufgelesen hatte. Ein Mädchen, welches mit seinem Feind rumgehurt hatte, welches sich gerade fast von seinem Balkon gestürzt hatte … und welches ihm gesagt hatte, dass sie ihn liebte.

Als er die Augen wieder öffnete, sah er sich selbst in dem großen Spiegel, der in seinem Schlafzimmer angebracht war. Immer, immer wieder, sitz ich vor dem Spiegel. Ich dreh mich hin und her. Ich schau mich selber an. Versuch zu sehen was ich bin. Versuch zu sehen was mich treibt. Versuch zu sehen ob etwas von mir bleibt. Ein jedes Ding hat seinen Preis. Wer kann mir meinen sagen? Er verzog die Lippen zu einem verächtlichen Lächeln und befahl der Musikanlage mit einem Knopfdruck, ein Lied weiter zu gehen. Oder noch besser, die CD zu wechseln, weniger tiefgründig, mehr Kopf leerend. Ein ziemlich krasser Wechsel, von ruhiger Gitarrenmusik zu harten, dröhnenden Bässen. Aber er fühlte sich damit auch nicht besser.

everytime we lie awake
after every hit we take
every feeling that i get
but i haven't missed you yet
every room-mate kept awake
by every sigh and scream we make
all the feelings that i get
but i still don't miss you yet

only when i stop to think about it

i hate everything about you
why do i love you
i hate everything about you
why do i love you

Es war erstaunlich, vielleicht auch erschreckend, wie schnell sich so eine Flasche leeren konnte. Er konnte den Alkohol deutlich in seinem Blut spüren, jeden einzelnen Tropfen, der durch seine Adern floss und eine unangenehme Hitze in seinem Körper freisetzte. Wie lange war es her, dass er soviel getrunken hatte? Er konnte sich nicht erinnern …
„Aly …“ stieß er wütend aus, aber in seiner Stimme schwang noch etwas mit, was er selbst nicht zu deuten vermochte. Er kam sich in seinem eigenen Körper so fremd, so verloren vor. Und alles nur wegen ihr. Wie war es nur passiert, dass sie in seinem Leben so eine große Bedeutung zu haben schien? Er hatte das nicht bedacht, nicht beabsichtigt …er wollte sie dafür hassen.

Aber selbst das wollte ihm nicht gelingen. Er dachte an das schmerzhafte Gefühl der Eifersucht, die er im Bloody Tear gespürt hatte, die Angst, als sie da am Geländer hing … Das war nicht richtig, in seinem Leben gab es so etwas nicht, es war ein Fehler gewesen, Aly damals mit zu sich zu nehmen, ein Fehler sie nicht längst zum Teufel gejagt zu haben. Dass er so fühlte, etwas für sie fühlte, stellte plötzlich jede seiner Entscheidungen in Frage. Jedenfalls kam ihm dass nun so vor, was mit ziemlicher Sicherheit auch an der ungewöhnlich hohen Alkoholkonzentration in seinem Blut lag. Doch die Frage, die sich im aufdrängte, ließ sich nicht mehr vertreiben.
Er hatte sich vor vielen Jahren von seinem früheren Leben verabschiedet. Mit allem, was dazu gehörte. Seit 6 Jahren hatte er kein Wort mehr mit einem Familienangehörigen, oder einem Freund von früher gesprochen, seit 6 Jahren wusste niemand, ob es ihm gut ging, oder ob er überhaupt noch lebte. Und bisher war es gut so gewesen. Er war mit seinem Leben zufrieden gewesen, zufrieden ohne Menschen, um die er sich Sorgen machen musste, deren Wohlergehen ihm am Herzen lag. Und nun war das alles hinfällig. War es die richtige Entscheidung gewesen?

Es war müßig darüber nachzudenken, aber es ärgerte ihn, dass Aly es an einem Abend geschafft hatte, ihn überhaupt dazu zu bringen. Ja, was ein Abend alles ändern konnte … Er schnaufte unwillig.
Er nahm die Scotchflasche, und fegte sie mit einer Handbewegung vom Bett. Mit einem dumpfen Klirren rollte sie über den Boden, bis an die gegenüber liegend Wand stieß, allerdings ohne zu zerbrechen, was einerseits natürlich gut war, andererseits aber damit nicht tat, was Rave eigentlich vorgehabt hatte. Am liebsten hätte er jetzt noch etwas hinterher geworfen, aber außer der Nachttischlampe war nichts in Reichweite, und außerdem wäre das nun wirklich äußerst kindisch gewesen. nicht, dass das heute noch einen großen Unterschied machen würde.

Unzufrieden und frustriert, rollte er sich auf die Seite und schaltete das Licht aus. Die Musik machte er auch leiser, aber nicht ganz aus, er wollte jetzt keine Stille haben. Da er keine große Lust verspürte, sich noch großartig zu bewegen, blieb er einfach, angezogen wie er war, liegen und hoffte, dass der Schlaf bald kommen würde, um ihn all seiner Gedanken zu berauben.

Als Aly neben der Schlafzimmertür von Rave vorbeikam, blieb sie einen Moment davor stehen. Laute Musik dröhnte aus dem Zimmer. Kurz überlegte sie ob sie einfach in das Zimmer gehen sollte, entschloss sich aber dagegen. Die harten Klänge die sie hören konnte, liesen sie ahnen das er alles andere als sie sehen wollte.

Sie öffnete die Badezimmertür die gleich neben Raves Schlafzimmer lag und schloss sie dann hinter sich zu.
Dann öffnete sie den kleinen Medizinschrank über dem Lavabo und begann damit sich etwas zur Beruhigung zu suchen. Bis sie schließlich ein Valium in den Händen hielt. Nun das musste genügen. Sie lies den Wasserhahn laufen und schluckte die Tablette.. Dann sah sie sich im Spiegel an. Sie sah furchtbar aus. Die Wimperntusche war verschmiert und unter ihren Augen, die vom weinen geschwollen und gerötet waren, hatten sich dunkle Ringe gebildet. Ihre Haare fielen, nass auf ihre Schultern und klebten ihr im Gesicht. Sie hätte ohne Mühe die Hauptrolle in einem Horrorfilm übernehmen können mit ihrem Aussehen.

Seufzend wandte sie sich von dem Spiegel ab und begann sich die nassen Kleider auszuziehen, welche sie dann über die Heizung hängte. Dann ging sie zur Dusche und lies das Wasser laufen bis es angenehm warm war um sich dann darunter zu stellen. Minutenlang stand sie einfach nur unter dem warmen Wasser, lies es über ihren Körper laufen und schloss die Augen. Die Kälte wich langsam einer angenehmen Wärme und sie entspannte sich etwas. Doch ihre Gedanken konnte sie nicht einfach so wegspülen. Die Verwirrung, die Angst, die Hoffnung die immer wieder von Hoffnungslosigkeit verdrängt wurde, die Sehnsucht nach Liebe, nach Geborgenheit.... alle diese Gefühle blieben.

Auch als ihre Haut schon beinahe Schwimmhäute bekam. Sie stellte den Wasserhahn ab und nahm sich dann ein großes Frotiertuch um sich darin einzuwickeln. Dann ging sie wieder zum Lavabo und sah erneut in den Spiegel.
Die Augen waren immer noch gerötet, doch der Rest schien nun doch wieder etwas frischer auszusehen. Sie kämmte sich kurz die Haare, lies diese aber dann feucht über ihre Schultern fallen. Sie hatte keine Lust sich diese nun zu föhnen, sie würden auch so trocknen.

Eine Weile blieb sie noch so vor dem Spiegel stehen, bis sich die Wirkung des Valiums langsam abzeichnete und sie die Müdigkeit fühlen konnte. Sie wusste nicht was der morgige Tag oder die Tage darauf bringen würden, doch für heute hatte sie genug. Sie wollte nur noch schlafen.

Zurück zu ihrem Schlafzimmer kam sie erneut neben Raves Tür vorbei. Ob sie doch schnell...? Nein, besser nicht. Sie öffnete die Tür ihres Schlafzimmers, welches gegenüber von Raves war und lies das Frotiertuch einfach achtlos auf den Boden fallen. Dann legte sie sich auf ihr Bett. Aus Raves Zimmer drang immer noch Musik bis zu ihr, nun allerdings etwas leiser. Sie nahm die Fernbedienung des Fernsehers und begann durch die Programme zu zappen. Etwas Schlaues kam allerdings um diese Zeit nicht mehr. Talkshow-Wiederholungen, waren noch das Beste, neben den Erotikmagazinen. Einzig auf HBO lief noch ein Film. Ein schnulziger Liebesfilm. Nein, auf so etwas hatte sie nun bestimmt keine Lust. Wenn schon ein Film dann hätte schon ein Horrorfilm laufen müssen, der hätte eher zu ihrer Stimmung gepasst.

Seufzend schaltete sie den Fernseher wieder aus und legte sich hin. Sie zog die Decke bis zum Kinn und schloss die Augen, doch trotz des Valliums und der Müdigkeit, die Dieses bewirkte, konnte sie nicht schlafen. Was war nur schief gelaufen heute? Dabei hatte der Tag doch nicht anders begonnen als jeder der letzten Tage. Außer mit dem Unterschied das sie sich auf das Treffen mit Alex gefreut hatte. Alex...sie würde raus finden müssen was...wer dafür verantwortlich war. Und Rave? Wie würde es weitergehen? Er hatte sie noch nicht auf die Strasse gesetzt, aber würde das noch folgen? Sie hatte, seit sie hier war, noch nie solchen Mist gemacht wie heute. Was wenn er sie morgen wirklich rauswerfen würde? Was würde sie dann machen? Zu Ezra? Nein wohl kaum. Wieder überschlugen sich die Gedanken in ihrem Kopf, bis das Vallium schließlich doch siegte und sie in einen unruhigen Schlaf fiel...

Nur ein paar Stunden später, ihrem Gefühl nach zu urteilen konnten es kaum mehr sein als 3 oder 4, wurde Aly durch das Rauschen der Dusche geweckt. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr das sie mit ihrer Vermutung richtig lag. Es war knapp vor sechs Uhr. Eigentlich viel zu früh um aufzustehen, wären da nicht die langsam kommenden Entzugserscheinungen gewesen, welche die Ereignisse des Vortags für einen Moment verdrängten und nur einem Gedanken Platz machten, dem nächsten Schuss.

Gerädert und verspannt von dem unruhigen Schlaf, schlug sie die Decke zurück und stand auf. Ihre Hände zitterten als sie sich ein langes T-Shirt schnappte und lediglich mit dem bekleidet zur Tür tapste. Irgendwo im Wohnzimmer musste noch Stoff sein. Danach würde es ihr wieder besser gehen und sie könnte vielleicht auch noch ein paar Stunden Schlafen.

Der Schlaf hatte ihn tatsächlich vor weiteren Denkschüben bewahrt. Nur leider war er viel zu schnell vorüber.
Als Rave die Augen aufschlug, und einen Blick auf den Wecker warf, stellte er fest, dass er kaum drei Stunden geschlafen hatte. Am liebsten hätte er sich also noch mal umgedreht, um noch ein paar Stunden in den süßen Schlaf zu entfliehen. Aber er fühlte sich einfach nur furchtbar, so furchtbar, dass an Schlaf wohl kaum zu denken war. Er war verspannt, sein Rücken schmerzte und sein Kopf dröhnte. Ganz offensichtlich hatte er einen Kater, wofür auch der pelzige Belag auf seiner Zunge und der widerliche Geschmack in seinem Mund sprechen würden.

Stöhnend richtete er sich auf schob die Beine aus dem Bett. Er gähnte und streckte sich, was sich aber als keine so gute Idee herausstellte, da wie schon gesagt sein Rücken schmerzte. Was für ein beschissener Morgen. kam es ihm in den Sinn, noch bevor die Gedankenflut wieder über ihn herein brach. Er stand auf und pellte sich aus deiner Kleidung. Was er jetzt brauchte, war ein langes Date mit dem Badezimmer. Er schlang sich ein Handtuch um die Hüften und ging dann aus seinem Zimmer, direkt ins Bad.

Bestimmt eine halbe Stunde ließ er das Wasser auf sich herab laufen. Was für eine Verschwendung, aber Rave scherte sich nicht besonders darum. Er stellte seine Bedürfnis über die irgendwelcher umweltfreundlichen Miesmacher, die einem einreden wollten, dass man in fünf Minuten fertig geduscht sein konnte. Denn Rave konnte das definitiv nicht. Nach dem Duschen fühlte er sich um einiges besser und konnte damit anfangen, sich der weiteren allmorgendlichen Pflege zu widmen. Zähneputzen, rasieren, Haare kämmen und so weiter …

Anschließend tappste er wieder in sein Zimmer, wo er sich anzog. Sein Terminkalender sagte ihm, dass er den Vormittag frei hatte, also wählte er bequeme, aber nicht weniger gute Kleidung, der man ihre Qualität durchaus ansah. Dann rief er den Zimmerservice an, er bestellte ein Katerfrühstück, sowie einen großen Pott Kaffee. Mit der Aussicht, diesen wenigstens genießen zu können, verließ er dann sein Zimmer, und begab sich in den Wohnraum.

Er saß mit einer ausgedrückten Zigarette und einem leeren Wasserglas an der Küchentheke, als der Zimmerservice das gewünschte brachte. Die Zigarette hatte er nur kurz angesteckt, einen Zug genommen und wieder ausgemacht, so schlecht war ihm geworden. Mit dem Wasser hatte er seine Kopfschmerztablette herunter gespült. Und als das Frühstück nun vor ihm stand, war er sich auch ziemlich sicher, dass er davon, wenn überhaupt, nicht viel zu sich nehmen würde. Aber der Kaffee schien ihm wie ein guter Freund. Er schenkte sich eine Tasse ein, und genoss einen Augenblick den aromatischen Duft, der ihm in die Nase stieg.
Bedächtig nahm er einen Schluck, vorsichtig, um sich nicht die Lippen an dem heißen Getränk zu verbrennen.

Das Frühstück links liegen lassend, ging er mit dem Kaffee zur Couch, auf die er sich fallen ließ. Er nahm noch einen kleinen Schluck, ehe er den Becher auf dem Tisch abstellte. Dann zog er die Beine hoch auf die Couch und machte sich auf dem Rücken lang. Beinahe automatisch wanderte seine Hand zu der Fernbedienung, und er machte den Fernseher an. Nicht, dass um diese Uhrzeit auf irgendeinem Sender etwas laufen würde, was ihn auch nur ansatzweise interessieren würde. Aber wozu gab es denn das Pay-TV?
Allerdings wollte Rave im Moment weniger Fernseh gucken, als einfach nur auf dem Sofa zu liegen, von daher achtete er nicht darauf, welchen Sender er ausgewählt hatte. Zudem hatte er den Ton ausgestellt. Und so bekam er auch nicht wirklich mit, wie der Held aus dem Actionstreifen in einem Affenzahn über die Autobahn sauste, um sein Mädchen vor den bösen Drogenbossen zu retten. Vor so Leuten wie Rave. Mit dem kleinen Unterschied, dass Rave bisher noch keine Frau entführt hatte. Abgesehen von Aly, aber das war keine richtige Entführung gewesen. Zudem war da auch niemand gewesen, der sie hatte wieder haben wollen.

Bevor sie ins Wohnzimmer tappte, hatte sie, nachdem sie gesehen, oder besser gehört hatte das Rave dieses nicht mehr in Beschlag nahm, einen Abstecher ins Bad gemacht um sich eine saubere Spritze und ein Gummiband zum abbinden zu holen. Danach war sie direkt und ohne auf Rave zu achten zu der Küche weiter getapst um sich einen Löffel zu nehmen. Nun hatte sie eigentlich alles bis auf den Stoff. Und bei dem Gedanken daran fiel ihr Blick unweigerlich auf Rave der auf dem Sofa lag und mit der Fernbedienung durch die Sender zappte. Und bei seinem Anblick kamen auch die Ereignisse vom Vorabend zurück. Verdammt, ob er ihr überhaupt etwas geben würde, nach gestern? Fieberhaft überlegte sie ob sie nicht doch vielleicht irgendwo noch etwas hatte, damit sie ihn nicht darum bitten musste. Doch da war nichts mehr. Sie hatte alles gebraucht was er ihr gestern gegeben hatte.

Mit einem leisen Seufzen ging sie zur Couch auf der Rave lag, setzte sich ihm gegenüber in einen Sessel und bereitete das Besteck vor ihm auf dem Tisch aus. Dann zündete sie sich eine Zigarette an und sah ihn mit einem bittenden Blick an, "Ich brauche was..."

Nach einer Weile hörte Aly kommen und herumrödeln. Er drehte sich aber nicht zu ihr, oder sprach sie gar an. Ihm wäre es lieber gewesen, wenn sie noch nicht aufgetaucht wäre. Denn erstens war er immer noch wütend auf sie, und zweitens dachte er auch noch immer an die Blöße, die er sich gestern gegeben hatte, und drittens hatte er schlicht und einfach keinen Bock auf Gesellschaft. Aber meistens kam es eben nicht so, wie man es gerne gehabt hätte.
Als sich ihre Schritte seiner Position näherten, hatte er die Augen geschlossen. Vielleicht hegte er die kindische Hoffnung, dass sie denken würde, dass er schliefe, und ihn dann nicht ansprechen würde. Dann stieg ihm die Zigarettengeruch in die Nase und er verzog reflexartig das Gesicht, weil ihm wieder flau im Magen wurde. Ihre Stimme riss ihn dann völlig aus seinem vorgetäuschten Schlaf.

“Ich brauche was …“ Ja natürlich, was auch sonst? Hatte er wirklich nur eine Sekunde geglaubt, dass sie sich erklären oder entschuldigen wollte? Nein, eigentlich nicht. Da er keine Lust auf Konversation, oder auch Konfrontation hatte, wollte er aufstehen, und ihr etwas aus dem Safe holen, wo er die Drogen und das Geld, welche sich in der Suite befanden, aufbewahrte. Er schlug seufzend die Augen auf, und setzte sich hin. Missbilligend runzelte er die Stirn. „Mach das scheiß Ding aus.“ brummelte er übellaunig und deutete mit dem Finger auf die Zigarette. Am frühen Morgen, und speziell an diesem frühen Morgen, war ihm dieser Geruch einfach total zuwider.

Langsam stand er auf, und ging zu dem Schränkchen, in dem der Safe aufbewahrt war. Er hatte nie besonders viel Bargeld, oder besonders viele Drogen da, aus Sicherheitsgründen. Meistens nur so viel, dass ihn sein Anwalt im Notfall gegen Kaution rausholen konnte. Allerdings hatte er bisher immer Glück gehabt, und es war offiziell noch nie zu irgendwelchen Anschuldigungen gekommen, auch wenn er natürlich wusste, dass er bei der Polizei kein unbekannter war. Auch die meisten wichtigen Dokumente bewahrte er nicht im Hotel auf.

Schnell hatte er den komplizierten Zahlencode eingetippt, die Tür öffnete sich, und ohne hinzusehen griff er kleines Päckchen heraus. „Bitte sehr.“ sagte er, was allerdings mehr wie ein Verreck doch dran. klang, und warf es Aly zu. Er war, wie er fand, äußerst großzügig, nachdem was sie sich gestern alles geleistet hatte. Da er nicht so große Lust verspürte, ihr beim Spritzen zuzusehen, ging er in die kleine Küchenzeile, wo er anfing, sich intensiv mit seinem Organizer zu beschäftigen.

Rave war sauer, sehr sauer. Das konnte sie an seiner Stimme erkennen und auch an der Art wie er ihr das Päckchen mit dem Stoff hinschmiss. Es war, in anbetracht der Tatsachen, eine großzügige Ration die er ihr da gab. Und doch fühlte sie sich nicht besser als sie das Heroin nun auspackte und zusammen mit etwas Zitronensaft erhitzte. Im Gegenteil, ihre Hände zitterten so stark das ihr der Löffel beinahe aus den Fingern gefallen wäre. Sobald sie es sich gespritzt hatte würde es ihr besser gehen und dann wusste sie, sie würde mit ihm reden müssen.

Sie zog den Ärmel ihres T-Shirts etwas nach oben um sich den Arm abzubinden und setzte sich die Spritze dann an. Dann spritzte sie sich das Gift in ihre Venen. Sofort spürte sie wie sich das Heroin in ihrem Körper auszubreiten schien. Das Zittern ihrer Hände nahm ab und wich der Ruhe und der Gleichgültigkeit. Die Vorkommnisse des Vorabends rückten erneut in den Hintergrund, dieses mal aber einfach weil sie sie verdrängte, weil sie keine Lust hatte daran zu denken. Der Stoff war gut und sie hatte sich eine volle Dröhnung gespritzt. Die Augen fielen ihr unweigerlich zu als sie sich in dem Sessel nach hinten lehnte um das Gefühl welches der Flash auslöste zu genießen. Die Spritze war ihr dabei aus den Händen geglitten und fand ihren Weg auf den Boden. Doch sie kümmerte sich nicht weiter darum. Das Einzige was in diesem Augenblick zählte war das Gefühl, der absoluten Zufriedenheit.

Doch wie üblich hielt dieses Gefühl nicht lange an. So schnell wie das Flash gekommen war, so schnell verschwand es auch wieder. Und die Realität kehrte zurück. Langsam öffnete sie ihre Augen wieder und blickte in die Richtung von Rave, der in der Küche saß. Ob es gut war nun mit ihm zu sprechen? Er sah nicht so aus als ob er sich überhaupt noch groß um sie kümmern würde. Sie schien ihm vollkommen egal zu sein. Noch egaler als sie es vorher schon war. Vielleicht sollte sie wirklich einfach verschwinden. Was dies heißen würde war klar. Sie hatte niemand mehr außer Rave. Alex...sie war tot. Und zu ihren Eltern konnte sie nie mehr zurück. Viele Alternativen gab es demnach nicht für sie. Doch hier bleiben konnte sie so auch nicht. Sie hielt das nicht aus. Immer wenn sie Rave ansehen würde, wenn sie in seiner Nähe war, das Gefühl das er sie hasste, während sie ihn liebte. Nein, wenn sie schon draufgehen sollte, dann dort wo sie hergekommen war.

Sie stand auf und machte einen Schritt auf Rave zu, blieb dann aber stehen. Nein reden brachte auch nichts mehr.
Sie nahm den restlichen Stoff, drehte sich um und ging in ihr Zimmer zurück.

Kaum war Aly zurück in ihrem Zimmer, kramte sie ihre Reisetasche raus und packte schnell das Wichtigste ein.
Ein paar ihrer Kleider, eine Kette die sie von Rave geschenkt bekommen hatte, ihren Mp3-Player - der lies sich sicher zu Geld machen - und ihre Lederjacke. Dann zog sie sich eine Jeans an und steckte das bisschen Geld das sie noch hatte in die Tasche. Kurz überlegte sie ob sie Rave ein paar Zeilen schreiben sollte, doch was sollte das für ein Sinn habe?

Sie nahm ihre Jeansjacke und zog sich diese an, während sie ihren Blick nochmals durch das Zimmer schweifen lies. Vermutlich würde es für eine lange Zeit das letzte Mal gewesen sein das sie ein warmes gemütliches Zimmer gesehen hatte. Dann wandte sie sich um öffnete die Tür wieder und ging so unauffällig wie möglich zu der Tür die sie nach draußen auf den Hotelgang führte. Als sie diese hinter sich zuschloss, sah sie kurz darauf zurück und schickte Rave im Stillen einen Abschiedsgruss. Sie war sich nicht einmal sicher ob er überhaupt mitbekommen hatte das sie gegangen war. Und wenn, dann schien es ihn nicht weiter zu interessieren
.
Sie ging zu dem Aufzug der sie schließlich nach unten in die Lobby führte, an der Empfangsdame vorbei ohne sie weiters zu beachten und trat dann nach draußen auf die nasse Strasse. Es regnete, genau wie damals als Rave sie gefunden hatte...

Rave stand mit dem Rücken zu Aly, mit Absicht. Auch wenn er sich mit dem kleinen PDA vor ihm befasste, hörte er jedes Geräusch, so dass ihm nicht verborgen blieb, wie Aly sich in seinem Wohnzimmer ihren nächsten Schuss setzte. Und auch, wenn es ihm sonst egal war, heute hasste er sie dafür. Am Nachmittag hatte er einen Termin mit einem seiner Kunden, einem der Dealer, die er mit Drogen belieferte. Dieser war ein Wichser, ein Arschloch wie es im Buche stand, einer von denen, die allen Alys dieser Welt den Tod auf Raten verkauften, aber Rave kam mit ihm gut aus, bisher. Doch heute wollte er ihn, stellvertretend für alle Dealer, mit seinen eigenen Händen erwürgen.

Irgendwann hörte er, wie Aly den Raum verließ. Seufzend ging er zurück zum Sofa. Als ihr benutztes Besteck sah wurde er wütend. „Kannst du deine Scheiße nicht wenigstens selber wegräumen?“ schrie er durch die Suite, ohne zu wissen, ob sie ihn überhaupt hörte. Das Personal hier war ja einiges von ihm gewohnt, aber es Drogenbesteck wegräumen zu lassen, wäre nicht besonders klug gewesen. Da Aly nicht reagierte, nahm er leise vor sich hin fluchend eine Plastiktüte und war es selbst weg. Dann legte er sie wieder auf das Sofa, machte den Ton vom Fernseher an und schloss die Augen.

Später glaubte er zuhören, wie sich eine Tür öffnete und schloss, aber er dachte nicht im Traum daran, dass es Aly sein könnte, die mit gepackter Tasche ohne ein Wort verschwand. Und selbst wenn er es realisiert hätte, im Moment hätte er ihr wohl sogar ein Taxi bestellt und ihr freundlich hinterher gewinkt. Und natürlich hätte er geglaubt, dass sie schon nach kürzester Zeit wieder reumütig zu ihm zurück gekrochen käme. Doch so ging das an ihm vorüber, und ohne dass er es richtig merkte, schlief er auf dem Sofa nun doch noch einmal ein.

Als er wieder aufwachte, war es bereits kurz vor Mittag. Aber im Gegensatz zu seinem ersten Aufwachen an diesem Tag, war es dieses mal weitaus weniger schmerzvoll. Das Dröhnen in seinem Kopf war komplett verschwunden und auch seine Schultern taten kaum noch weh. Er gähnte herzhaft und liebäugelte bereits mit dem Frühstück, welches noch unberührt auf der Theke stand. Er richtete sich auf, ging rüber und ließ sich vor dem Tablett wieder nieder. Mit Appetit begann er zu essen, und er hörte nicht auf, ehe alles vernichtet war.

Dann schellte sein Handy. Es war Gordie, einer von den Männern, mit denen Rave seine Geschäfte bezüglich der illegalen Personenbeförderung absprach und durchführen ließ. Gordie war ein Geizhals, dem Rave nicht über den Weg traute, aber er war gut in seinem Gebiet, sogar sehr gut. Was er in die Hand nahm, war gut geplant und mit möglichst geringem Risiko. Nicht umsonst war Gordie in der Szene äußerst begehrt. Nur seine Preise waren auch nicht ohne. Jedenfalls vereinbarte Rave ein Treffen mit ihm zum Mittagessen, zur Unterredung wegen der neuen Lieferungen, Rave hatte einige neue Interessenten, die in eine Zusammenarbeit investieren wollten. Einen Teil hatte er bereits überprüft, jeder neue Kunde wurde einer gründlichen Prüfung unterzogen, schließlich konnte man nie vorsichtig genug sein.

„Aly.“ rief er, während er zu seinem Schlafzimmer ging, um sich für das Treffen umzuziehen. „Aly!!!“ Langsam wurde er ungeduldig. Er ging zu ihrem Zimmer und machte die Tür auf. „Aly?“ Aber da war sie nicht. Also war es vielleicht doch sie gewesen, die durch die Tür gegangen war. Ärgerlich runzelte er die Stirn. Sie hätte ja ruhig mal einen Ton sagen können. Vor allem nachdem er so freigiebig gewesen war. „Blödes Weib!“ murmelte er verschwand kopfschüttelnd in seinem Zimmer.

Umgezogen und fertig gemacht, machte er sich schließlich auf den Weg, zu dem vereinbarten Treffpunkt, einem kleinen Bistro in der Stadtmitte. Er konnte sich Zeit lassen, Gordie kam grundsätzlich nicht pünktlich. Rave ließ sich seinen Wagen, ein HYPERLINK "http://www.wallpaper.net.au/wallpaper/automotive/Porsche%20911%20Carrera%204s%20-%20800x600.jpg" \t "_blank" schwarzer Porsche Carrera vor die Hoteltüre fahren, stieg dann ein und fuhr los. Im Allgemeinen war Rave ein guter Autofahrer, der sich im Großen und Ganzen an die Verkehrsregeln hielt. Schon oft genug war es vorgekommen, dass einem von den großen wegen einem popeligen Verkehrsdelikt das Handwerk gelegt worden war, und diesem Schicksal gedachte Rave zu entgehen.

Schließlich parkte er auf dem Parkplatz und ging die paar Schritte bis zum Bistro zu Fuß. Durch die Fensterscheiben konnte er schon sehen, dass Gordie, wie nicht anders erwartet, noch nicht da war.
25.5.09 21:12
 


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